In der vorigen Ausgabe haben wir uns, meine verehrten Leser, bereits über die Möglichkeiten unterhalten, die der Rentenmarkt zur Zeit bietet. Zunächst war im wesentlichen die Rede von solchen Titeln, die vornehmlich für den Bezieher hoher Einkommen sowie für buchführende Unternehmen interessant sind. Heute wollen wir uns nun jenen Papieren zuwenden, die für den „Normalsparer“ in Frage kommen. Ich greife dabei erneut auf kürzlich veröffentlichtes Material der Dresdner Bank zurück, besonders wenn es die schwierige Ausrechnung der Renditen betrifft.

Wer nicht an steuerfreien Zinseinnahmen interessiert ist, dem steht eine breite Auswahl an tarifbesteuerten Werten zu Verfügung. Tarifbesteuert heißt, daß die Zinseinnahmen zum üblichen Einkommen hinzugeschlagen werden und dann der Steuersatz ausgerechnet wird. Da dies in jedem Falle zu unterschiedlichen Ergebnissen führen muß, kann man stets nur die Bruttorendite angeben. Im übrigen darf ich darauf hinweisen, daß bei Lohnsteuerpflichtigen Nebeneinkünfte (also auch Zinserträgnisse) bis 800 DM jährlich steuerfrei bleiben. Allerdings darf das Jahreseinkommen des Lohnsteuerpflichtigen 24 000 DM nicht überschreiten.

Aber nun zum Rentenmarkt. Wer den 6prozentigen Typ wählt (Kurse um 100 vH), kann also auch mit einer 6prozentigen Verzinsung rechnen. Sobald sich am Rentenmarkt eine freundlichere Tendenz durchsetzt (als Folge einer weltpolitischen Entspannung), ist eine Kurschance gegeben. Bei den 5,5prozentigen Industrieanleihen kommt man auf Renditen bis ca. 6,10 vH, weil diese Papiere entsprechend billiger zu haben sind. Beispiel: 5,5 vH Rhein. Braunkohle v. 58 zum Kurs von 95 vH, Rendite 6,10 vH. Wenn auch nicht damit zu rechnen ist, daß 6- oder 5,5prozentige Emissionen vorzeitig gekündigt werden, so kann man sich bei den 5,5prozentigen Emissionen auf alle Fälle einen Kursgewinn (bis zum Rückzahlungskurs von 100 vH) ausrechnen.

Die nach meiner Meinung interessantesten Renten sind zur Zeit die 5prozentigen Typen. OhneZweifel werden wir mit zunehmender Entpolitisierung der Kurse wieder auf den 5prozentigen Renten-Typ hinsteuern. Er wird dann knapp unter 100 vH verkauft werden, was bedeutet, daß alle jetzt im Markt befindlichen 5prozentigen Emissionen auf gleiche Höhe steigen müssen. Ein Kursanstieg von heute 90 bis 92 auf später 97 bis, 99 vH ist deshalb möglich. Daneben kann man noch eine relativ gute Rendite kassieren, die in den meisten Fällen über 6 vH hinausgeht. Natürlich braucht bei den 5prozentigen Emissionen eine vorzeitige Rückzahlung nicht in Betracht gezogen werden. Auch für diesen Typ zwei Beispiele: 5 vH BP Benzin von 1959 (Tilgung in den Jahren 1965 bis 1974), Kurs ca. 92 5/8, Rendite ca. 6,22 vH: 5 vH Rudolph Karstadt v. 1959 (Tilgung. 1965 bis 1974), Kurs ca. 92,5 vH, Rendite ca. 6,28 vH.

Versteifen Sie sich bei Ihren eventuellen Anlageerwägungen nicht auf eine bestimmte Emission. Suchen Sie sich den Typ aus und lassen Sie sich dann von Ihrer Bank sagen, was gerade preiswert am Markt ist.

Zum Schluß noch einige Kategorien mit überdurchschnittlichen Nominalsätzen. Dem hohen, aber der Einkommenbesteuerung unterliegenden Barertrag steht gegenüber, daß solche Anleihen zum frühesten Rückzahlungstermin vielleicht gekündigt werden, und zwar dann, wenn die Zinssenkungstendenz sich wieder durchsetzt. Diese Emissionen werden dann in Anleihen konvertiert (umgetauscht), die einen niedrigeren Nominalsatz haben. Dadurch entlastet sich das Unternehmen von hohen Zinssätzen. Dagegen läßt sich nichts einwenden, denn solche Möglichkeiten hält sich oftmals ein Emittent in den Anleihebedingungen offen. Wegen der Konversionsgefahr muß man als vorsichtiger Anleger die Renditeberechnungen auf die frühestmögliche Kündigung abstellen. Daher klaffen hier Bruttoeinnahmen und Bruttorendite relativ weit auseinander. Die Konversionsgefahr besteht vor allem bei den 7,5- und 8prozentigen Emissionen.

Trotz der vorsichtigen Berechnung lassen sich aber auch bei diesen Papieren noch Renditen erzielen, die um 6 vH herum schwanken. Wieder zwei Beispiele: 8 vH Farbwerke Hoechst v. 57 (Tilgung 1963 bis 1977), Kurs ca. 102,5 vH, Rendite ca. 6,34 vH; 7,5 vH Aug. Thyssen-Hütte v. 57 (Tilgung 1963 bis 1977), Kurs ca. 102,25 vH, Rendite ca. 6,27 vH. – Natürlich werden diese Emissionen nur zu 100 vH zurückgezahlt. Das begrenzt die Kurschancen, weil eine Rückzahlung ja schon in knapp zwei Jahren möglich ist.