Den totalen Zusammenbruch hatte die damalige Verwaltung der Bayerische Motoren Werke AG, München, ihren Aktionären für den Fall prophezeit, daß sie dem Sanierungsangebot der Daimler-Benz AG nicht zustimmen würden. An ein kleines Wunder müssen jene Aktionäre glauben, die in der denkwürdigen Hauptversammlung vom 9. Dezember 1959 den Vorschlag zu Fall brachten, wenn sie jetzt die Ergebnisse des Geschäftsjahres 1960 sehen. Das ,,Wunder“ hat in erster Linie der Kleinwagen vollbracht, 6der zu 50 vH am Gesamtinisatz beteiligt ist und der dazu beigetragen hat, das Werk nach langer Durststrecke aus der Verustzone zu ziehen. Auf den Erfolg des Mittelklassewagens, den BMW auf der Frankfurter Autonobilausstellung vorgestellt hat, wird es nun ankommen, ob die Sphäre der Konsolidierung von Dauer sein wird.

Zu seiner Finanzierung wird die Gesellschaft auf die Mithilfe der Banken nicht verzichten können, la an eine weitere Kapitalerhöhung nicht gedacht ist. Da auch im ersten Halbjahr 1961 die Gesundung fortgeschritten ist – der Umsatz hat sich gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 17,8 auf 133,4 Mill. DM erhöht – wird es zu den Zukunftsaufgaben gehören, die noch hohen Verbindlichkeiten abzubauen und ein Reservepolster zu schaffen. Der „Krebs ohne Panzer“, wie ihn der noch amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Semler bezeichnet hatte, krabbelt schon recht munter, aber er scheint gegen Marktschwankungen noch nicht gefeit zu sein.

Nach der Sanierung Ende vergangenen Jahres ist der Umsatz 1960 um fast 41 vH auf fast 240 (170) Mill. DM gestiegen. Mit 14,4 Mill. DM Betriebsgewinn (i. V. 4,1 Mill. DM Verlust) wurde der Verlustvortrag getilgt, so daß die Bilanz ausgeglichen abschließt. Wenngleich durch 7,5 Mill. DM Ertrag aus der Kapitalzusammenlegung das Jahresergebnis beeinflußt wurde, hat sich das Betriebsergebnis für sich gegenüber dem Vorjahr um 18,5 Mill. DM verbessert. Aus der im Zuge der Sanierung erfolgten Kapitalerhöhung auf 60 Mill. DM (hinzugekommen sind 0,28 Mill. DM aus der Umwandlung von Wandelobligationen) fließen insgesamt 52,2 Mill. DM zu, die zusammen mit 20 Mill. DM langfristigen Darlehen der MAN für die Investitionen für den Mittelklassewagen bestimmt sind. Inzwischen wurde auch die Finanzierung der Betriebsmittel gesichert, u. a. durch Aufstockung der Bankkredite und Darlehen, unter denen sich eines von 10 Mill. DM des Großaktionärs Quandt befinden soll, der mit den Wandelschuldverschreibungen etwa 30 vH des Aktienkapitals halten dürfte. Der neu hervorgetretene Schweizer Großaktionär Jacques Koerfer, Bern, besitzt schätzungsweise etwa 10–12 vH des Kapitals. Der Umsatz der Tochtergesellschaft, BMW Triebwerkbau GmbH Allach, hat sich auf fast 31 (17,3) Mill. DM so gesteigert, daß erstmals ein Gewinn erwirtschaftet wurde.

Gegenüber einem Anteil von 81 Mill. DM des 700 ccm Kleinwagens an 133,4 Mill. DM Umsatz im ersten Halbjahr 1961 – 1960 wurden insgesamt 35 000 Kleinwagen verkauft – betrug der Anteil der Motorräder am Umsatz 1960 nur noch 7 (10) vH und der des Motorcoupes Isetta 13 (30) vH. Der Anteil der Groß wagen, der in diesem Jah wieder steigen dürfte, ist auf 5 (15) vH zurückgegangen.

In der Bilanz betrugen Sachanlagenzugänge knapp 10 Mill. DM bei erhöhten Abschreibungen von 8,9 (6,1) Mill. DM. Vorräte haben auf 38,9 (27,4) zugenommen. Die Verbindlichkeitsrechnung – auf laufende und mittelfristige Verbindlichkeiten entfallen 86,6 Mill. DM bei 117 Mill. DM Bilanzsumme – dürfte nach der noch nicht berücksichtigten Kapitalerhöhung günstiger ausfallen, unterstreicht aber zusammen mit der nach wie vor sehr angespannten Liquidität das von den Investitionen der Zukunft und von den Fehlern der Vergangenheit belastete Bild.

Wenn die Aktionäre in der Hauptversammlung am 20. 10. dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen, werden dem von 9 auf 6 Mitglieder verringerten Aufsichtsrat folgende 4 Aktionärsvertreter angehören: Dr. Jacques Koerfer, Bern; Prof. Dr. Dr. Alfons Wagner, Aschau am Chiemsee, der den Vorsitz übernehmen dürfte; sowie Rechtsanwalt Gerhard Wilcke, Frankfurt, und Rechtsanwalt Dr. Friedrich Mathern, Frankfurt. Damit dürften neben dem bisherigen Vorsitzenden Dr. Johannes Semler, München, auch Dr. Ullrich Biel, Berlin, Dr. Peter Lach und Valentin Heins, beide München, ausscheiden. Im Geschäftsbericht 1960 sind auch die am 1. September eingetretenen Vorstandsmitglieder aufgeführt. Technischer Vorstand ist jetzt der von Borgward gekommene W. Gieschen, da R. Pertuss nach kaum einjähriger Tätigkeit wieder ausgeschieden ist. P. G. Hahnemann, stellv. Vorstandsmitglied, der aus dem Hause Auto Union kommt, übernimmt den ganzen Vertrieb –