Man führte mich in ein Büro – es war nicht das gleiche, das ich bei meiner Ankunft aufgesucht hatte –, wo ich einem etwa dreißigjährigen Beamten gegenüberstand. Der Empfang war alles andere als freundlich, denn mittlerweile hatte es mit den afrikanischen Studenten schon Schwierigkeiten gegeben.

Weder die Androhung der Ausweisung oder das persönliche Eingreifen des Prof. Dr. Potjechin, Direktor des afrikanischen Instituts, noch die Winkelzüge des Sowjetischen Komitees für afro-asiatische Solidarität vermochten diesmal etwas auszurichten. Die Studenten blieben nach wie vor bei ihrem Entschluß. Wir Afrikaner waren besonders schlecht angesehen, weil wir eine Abordnung, die unsere Rechte verteidigen sollte, ins Ministerium entsandt hatten. Vielleicht war dieser Vorfall mit ein Grund dafür, daß die Russen beabsichtigten, eine eigene Universität für Ausländer zu errichten. – Man wollte sowjetische Studenten vor einer Infektion durch ausländischen Rebellengeist bewahren.

In dieser gespannten Atmosphäre, in der jedermann bemüht war, seine wirklichen Gefühle zu verbergen, begab ich mich also zum Ministerium. Drei Frauen und zwei Männer saßen da vor ihren Schreibtischen und schienen sehr mit ihren Papieren beschäftigt zu sein. Man bot mir nicht einmal einen Stuhl an. Als ich mich vorstellte, rief einer der russischen Angestellten ironisch: „Ah, das ist ja unser zukünftiger Diplomat!“ Und dann fragte er mich mit spöttischem Grinsen: „Warum wollen Sie nicht Medizin studieren? Ihre Länder, die sich jetzt vom Kolonialismus befreien, brauchen Ärzte viel dringender als Diplomaten. Sie müssen doch zuallererst an die Gesundheit Ihrer Bevölkerung und deren Arbeitsfähigkeit denken. Außerdem sind wir doch noch da, wir können ja Diplomaten stellen.“

„Ich weiß nicht“, antwortete ich, weiterhin bemüht, höflich zu bleiben. „Letzten Endes können wir die unabhängigen Staaten Afrikas nicht mit sowjetischen Beamten und Diplomaten versehen.“

„Was würden Sie aber sagen, wenn Sie erführen, daß das Gesuch um Ihre Zulassung zum Institut für Internationale Beziehungen keine günstige Aufnahme gefunden hat?“ wollte der Beamte wissen?

„Nun“, meinte ich, „ich würde sagen: das wäre sensationell.“

„Und warum?“