Umstrittene „Börsen-Transparenz“

In Ihrer Ausgabe vom 22. September. 1961 befassen Sie sich auf Seite 21 mit der „Börsen-Transparenz“. Leider können wir nicht in allem mit ihm einig gehen. Im Absatz eins wird festgestellt, die Plätze Düsseldorf und Frankfurt seien u. a. auch deswegen an einer Umsatzveröffentlichung interessiert, um zeigen zu können, „wie groß der Abstand beider Plätze zu den übrigen deutschen Wertpapierbörsen ist“.

Wenn Sie hier den beiden Plätzen ein u. E. gar nicht vorhandenes Motiv unterschieben, so brauchte das nicht unsere Sorge zu sein. Wir müssen uns aber dagegen wenden, daß Sie in diesem Zusammenhang einen erheblichen Abstand beider Plätze zu den übrigen deutschen Börsen zur selbstverständlichen Voraussetzung machen. Die bisher zugänglichen Zahlen ergaben ein anderes Bild. Wir fügen Ihnen eine von der Bayerischen Börse herausgegebene Schrift bei, in der auf Seite 9 die Umsätze der Börsen Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München für die Jahre angegeben sind, in denen noch die Jahresumsätze veröffentlicht wurden (siehe Tabelle). Von einem wesentlichen Abstand zwischen den vier Plätzen kann man in diesen Jahren sicher nicht sprechen.

Für die neuere Zeit wird – insbesondere in Veröffentlichungen der Rheinisch-Westfälischen Börse – gern auf das Börsenumsatzsteueraufkommen zurückgegriffen. Wir wissen sehr wohl mit welchem Vorbehalt man der These begegnen muß, das Börsenumsatzsteueraufkommen eines Bundeslandes sei praktisch identisch mit dem Börsenumsatzsteueraufkommen eines Börsenplatzes des betreffenden Landes. Aber trotzdem wird man auf – dem Börsenumsatzsteueraufkommen der Länder wenigstens gewisse Rückschlüsse auf den Geschäftsumfang der Börsen der Länder ziehen dürfen. Nachdem Berlin als alle anderen Börsen weit überragende Zentralbörse weggefallen ist, entspricht eben heute die Bedeutung der einzelnen Börsenplätze weitgehend dem wirtschaftlichen Gewicht „ihres“ Landes. Wenn Sie unter diesem Gesichtspunkt die Entwicklung des Börsenumsatzsteueraufkommens im Jahre 1960 betrachten – die wir Ihnen in einer von der Süddeutschen Zeitung angefertigten graphischen Darstellung ebenfalls beifügen –, so werden Sie verstehen, daß wir Ihrer Unterstellung von dem großen Abstand der Plätze Düsseldorf und Frankfurt widersprechen müssen (siehe graphische Darstellung).

Abschließend dürfen wir Sie noch darauf hineisen, daß die Bayerische Börse nach dem Zweiten Weltkrieg ein Jahr lang als einzige deutsche Börse im Amtlichen Kursblatt täglich alle Imtze veröffentlicht hat. Die dabei gemachten Erhrungen haben die Bedenken bestätigt, die heute gen eine solche Veröffentlichung geltend gemacht werden. Der Vorstand der Bayerischen Börse