Neue Verhandlungen über die Neutralisierung von Laos

In Laos geht die Regenzeit zu Ende. Geht damit auch – wie die aus Indern, Polen und Kanadiern bestehende Waffenstillstands-Kommission fürchtet – die Waffenruhe zu Ende? Werden die kommunistischen Pathet-Lao-Truppen wieder angreifen und damit alle bisherigen Ergebnisse der Vierzehn-Mächte-Konferenz in Genf zunichte machen?

Seit über vier Monaten schleppt sich diese Konferenz hin, auf der die Neutralisierung des hinterindischen Königreichs politisch und juristisch fundiert werden soll. Das Problem der Neutralisierung von Laos beschäftigt die Welt seit langem. Schon auf der Genfer Konferenz von 1954, als Frankreich unter Mendès-France sein indonesisches Kolonialreich aufgeben mußte, war die Neutralität von Laos beschlossene Sache. Damals entstand Laos als souveräner Staat, neben dem neutralen Kambodscha, dem kommunistischen Nordvietnam und dem prowestlichen Südvietnam.

Während aber in Kambodscha Prinz Sihanouk mit viel Erfolg eine neutrale Politik praktizierte, geriet Laos in den Strudel des Ost-West-Konflikts. Die Amerikaner pumpten 310 Millionen Dollar an Militär- und Wirtschaftshilfe ins Land. Dennoch ’gelang es der Regierung nicht, der vom Norden des Landes ausgehenden, von Nordvietnam unterstützten Pathet-Lao-Bewegung Herr zu werden. Die Kommunisten erweiterten langsam, aber stetig ihren Einfluß.

Heute kontrollieren sie unter ihrem Führer, dem „roten Prinzen“ Souvannavong, zwei Drittel des Landes. Als Ministerpräsidenten erkennen sie Souvannavongs Halbbruder, den Neutralisten Souvanna Phouma an, den der dritte in der laotischen Prinzenrunde, der jetzige prowestliche Ministerpräsident Bonn Oum, im Herbst 1960 verjagt hat. Über allem thront in phlegmatischer Gelassenheit König Savang Vatthana, den die drei widerstreitenden Prinzen als legitimes Staatsoberhaupt anerkennen. Seine Garde bewacht einen alten goldenen Buddha in der Residenzstadt Luang Prabang, „denn solange der Buddha unter uns ist, kann Laos nichts passieren“.

Diese Zuversicht teilte der Präsident der Vereinigten Staaten nicht. Die Laos-Frage war in den ersten Monaten von Kennedys Amtstätigkeit das außenpolitische Problem Nummer Eins. „Wenn die Kommunisten Laos beherrschten, würde das die Sicherheit aller, auch der Vereinigten Staaten von Amerika, gefährden erklärte Kennedy und versuchte, den Sowjets klarzumachen, daß sie die Gefahr eines Krieges heraufbeschwören, falls sie weiterhin Pathet Lao stützten.

Die Sowjets lenkten schließlich ein, als die Regenzeit einen weiteren Vormarsch der Pathet Lao ohnedies unmöglich machte. Seit Mai ruhen in Laos die Waffen. Im selben Monat trat auch die Konferenz in Genf zusammen. Prinz Boun Oum freilich war zunächst nicht zu bewegen, sich im früheren Sitzungssaal des Völkerbundspalastes einzufinden. Ihn störte die Gegenwart des roten und des neutralen Prinzen, und erst dem vierten Prinzen, dem Ministerpräsidenten von Kambodscha, gelang es, die Hoheiten in Zürich an einen Tisch zu bringen. Schließlich einigte man sich darauf, eine Koalitionsregierung zu bilden, alle Streitkräfte in einer neuen Armee zusammenzufassen und außenpolitische Neutralität zu wahren. Wie aber diese Neutralität garantiert und wirksam kontrolliert werden soll – darüber wird in Genf heute noch verhandelt.

Vermögen die Prinzen diese Probleme zu lösen? „Unsere laotischen Brüder unter einen Hut zu bringen, ist genauso schwierig, wie Krebse in einem Korb zusammenzuhalten“, seufzte Prinz Sihanouk von Kambodscha. Aber schließlich gelang es, die Prinzen zu veranlassen, noch einmal zusammenzutreten. Die drei Hoheiten wollen sich in diesen Tagen in Ban Hin Heup treffen, 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Vientiane. Durch diesen kleinen Ort fließt das Flüßchen Nam Lim, das die Einflußbereiche des roten und des prowestlichen Prinzen voneinander trennt. Der neutralistische Prinz, in dem viele den kommenden Ministerpräsidenten sehen, entschied weise, daß man sich vormittags auf jenem und nachmittags auf diesem Ufer treffen wolle. Sollte das ein Muster der Neutralität sein, wie sie sich die Prinzen vorstellen? H. K.