Wellenkrieg im Äther zwischen Kairo und Damaskus – Warum die Arabische Union zerbrach

Von Dietrich Strothmann

Hier ist das Lager der Löwen – Hier spricht das Vaterland der Helden – Hier ist der syrische Rundfunk!“ Fast Stunde um Stunde meldet sich der Sender Damaskus mit dieser Ansage, ehe er – zwischen Marschmusik-Einlagen – die neueste Anweisung der syrischen Revolutionsregierung bekanntgibt.

Seit dem letzten Donnerstag wehen in den Städten Syriens nicht mehr die rot-weiß-schwarzen Fahnen der Vereinigten Arabischen Republik, und in den Schaufenstern der Geschäfte von Damaskus und Aleppo hängen nicht mehr die Bilder des strahlenden Ägypters Gamal Abdel Nasser. An den öffentlichen Gebäuden fehlt der Adler der VAR. Nassers vereinigte Republik ist auseinandergebrochen. Seine „nördliche Region“ – Syrien – hat sich von Kairo losgesagt. Es war der sechste syrische Staatsstreich innerhalb von zwölf Jahren.

In Kairo stimmen die Massen Hochrufe für Nasser an, wenn der VAR-Präsident vor den Mikrophonen die „Heiligkeit der arabischen Einheit“ beschwört, die syrischen Putschoffiziere als „Verräter“ verdammt und ihnen schwere Strafen androht. Derweil berät in Damaskus das neue Kabinett unter dem ehemaligen Rechtsanwalt Mamun Kusbari. Und ohne Pause schallt es aus dem Lautsprechern im syrischen Aleppo: „Hier schlägt das Herz des Arabertums. Syrien hat sich erhoben, um die Tyrannen und Usurpatoren zu verjagen. Der Bande aus Kairo, den Ausbeutern des Landes, haben wir den Garaus gemacht!“

Eine brüchige „Vernunftehe“

Schon seit Wochen hat Nasser mit einem Aufstand in der Armee, mit der wachsenden Unruhe unter den Politikern und mit der Feindschaft der Kaufleute und Händler rechnen müssen. Als er dann den ehemaligen syrischen Geheimdienstchef, den Obersten Abdel Hamid Sarradsch, in Kairo mit dem Amt des Vizepräsidenten betraute und ihn damit festhielt und isolierte, kam der Augenblick, da Syrien die Bevormundung durch die Ägypter nicht länger ertrug.