Über Entwicklungshilfe ist schon viel geredet und geschrieben worden. Der Bundesbürger weiß, daß auch er mit seinen Steuergeldern an diesem Unternehmen beteiligt ist. Die Entwicklungsländer beobachten aufmerksam ihre Geldgeber, und ihre Presse reagiert wie ein hochempfindliches Geigergerät bei allen Patzern, die der Westen sich leistet. Mit dem Osten ist man toleranter.

Das ist die eine Seite der Medaille. Ob man sich in den Entwicklungsländern aber auch darüber Gedanken macht, daß auch hier bei uns die Augen und Ohren offen sind für alles, was man von ihnen sehen und hören kann?

Nur wenigen ist es möglich, sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen, sich eine Meinung durch Anschauung zu bilden. Der größte Teil bildet seine Meinung auf Grund von gelegentlichen Begegnungen mit diesem Thema im eigenen Land. Wie leicht da so ein Bild schief wird, mögen zwei Beispiele zeigen.

Wie jeder Autofahrer weiß, nehmen auch kleinste Reparaturen ihre Zeit in Anspruch. Man steht dann notgedrungen in der Werkstatt herum und besichtigt zum Zeitvertreib die dort umherstehenden Fahrzeuge. Fiel mir da kürzlich bei solch einer Unternehmung ein neuer Mercedes 220 mit Zollnummer auf. Die Monteure brachten die „Extras“ an, die der Volksmund so treffend mit „Kinkerlitzchen“ bezeichnet. „Wird alles in allem so etwa 1500 bis 2000 DM ausmachen.“ Und der Monteur beschrieb einen Kreis, der den ganzen Wagen einschloß. Neugierig gemacht, bekam ich die story dieses Wagens zu hören. Er gehörte einem Minister aus einem der Entwicklungsländer Afrikas. Da Mercedes eine längere Lieferzeit hat, wurde der Wagen bei einer westdeutschen Firma gekauft, die dieses Modell in 24 Stunden liefern konnte: Aufpreis etwa 10 vH.

Neulich sah ich eine Sendung im Fernsehen, die die Not eines der neuen afrikanischen Staaten in medizinischer Sicht behandelte. Eindrucksvolle Zahlen und Bilder der dortigen Not, haarsträubend für unsere Begriffe. Dann ein Interview mit einem einheimischen Arzt, dieser noch jung, in Leipzig studiert. Nach Fragen über seine Patienten, deren Zahl mit vielen Tausenden angegeben wurde, die Frage nach der Motorisierung. Ja, er habe einen Land-Rover, eine Art Jeep, und persönlich habe er auch noch einen Opel-Kapitän. Nichts gegen den gewiß sehr guten Opel-Kapitän, aber nach all dem, was man vorher gesehen hatte, wirkte dieser, zur Luxus-Klasse zählende Wagen wie eine kalte Dusche! In das von der Fernsehsendung gezeichnete Bild paßte er jedenfalls absolut nicht hinein!

Hört man von der Hilfe des Ostblocks für die fraglichen Länder, dann fällt auf, daß diese Gelder in ganz bestimmte Kanäle fließen, nur für bestimmte Projekte verwandt werden dürfen, die dann meist auch noch größeren propagandistischen Wert haben. Ob der farbige Mann merkt, wie er da gegängelt wird? Er, der so oft von Freiheit spricht? Bleibt dennoch die schwerwiegende Frage, ob es so nicht besser, richtiger ist.

Wie unendlich schwierig für den Westen, sein Geld den richtigen Händen anzuvertrauen! Wie unendlich schwierig, diese Hände erst einmal zu finden. G. V.