„Bis zum Ende aller Tage“ (Deutschland; Verleih: Bavaria): Dies ist nun der letzte der fünf deutschen Filme, deren Ablehnung durch die Biennale-Kommission die hiesigen Exportfunktionäre so in Harnisch brachte, daß sie das Angebot, diesen Film außer Konkurrenz im (repräsentativen) Schlußprogramm zu zeigen, als entwürdigend ablehnten. Worauf sich der Stolz unserer Filmpatrioten gründet, bleibt unerfindlich: Der Film erzählt zum tausendsten Male die Geschichte vom Seemann mit dem Kindergemüt und der Dirne mit dem reinen Herzen. „Helden“-Regisseur Franz-Peter Wirth hat sie mit exotischen Hintergründen („Jedes Filmteam einmal in Hongkong“) ausstaffiert und Klaus von Rautenfeld sie in adretten Farbbildern Photographien, die jeden Anhauch von Realität fernhalten. Allein die trockenkomische Sondershow von Hanns Lothar als in allen Häfen der Welt geneppter Seemann verleiht einigen Filmmetern relativen Reiz. pat

„Aschenblödel“ (USA; Paramount-Filmverleih): Aschenbrödel hat sein Geschlecht gewechselt, heißt Fella und ist der Stiefsohn einer reichen alten Witwe. Während diese Person ihren beiden eingeborenen Nichtsnutzen fast die Füße küßt, muß Fella (Jerry Lewis) das Faktotum spielen. Blödelnd im Übermaß, erledigt er sich dieser Aufgabe, nichts ficht ihn an außer dem Umstand, daß „Stiefmütterlein“ kein liebes Wort für ihn hat. Doch auch das verzeiht er der alten Megäre, als er mit Hilfe einer männlichen Zauberfee die Liebe einer Operettenprinzessin findet. Weder als heitere Märchenparodie noch als Satire auf kleinbürgerliches Wunschdenken hat der Regisseur Frank Tashlin sein Thema begriffen. Vielmehr wird uns durch den Mund der Märchenfee eine Moral gepredigt („Kinder, seid bescheiden. Es gibt zwar das Glück, doch das fällt euch, wenn es kommt, in den Schoß und läßt sich nicht erzwingen!“), die auf eine Rechtfertigung dessen hinausläuft, was andere Traumfabrik-Produkte schon seit Jahrzehnten proklamieren. Nur waren jene Filme wenigstens ansehnlich gemacht. Hier langweilt man sich. rpk

„Kalter Wind im August“ (USA; Verleih United Artists): Eine Achtundzwanzig jährige wird zur ersten Liebe eines Sechzehnjährigen. Regisseur Alexander Sieger setzt das so klischiert in Szene, daß man sich fragt, warum er diesen Stoff überhaupt aufgriff. Im Beruf der Dame liegt der Grund. Sie ist Striptease-Tänzerin. Ihr „kleiner Liebling“ weiß nichts davon, wendet sich aber entsetzt ab, als er es erfährt. Sie rechtfertigt sich: „Das ist mein Beruf. Das ist Theater. Zwanzig Millionen Frauen in diesem Land machen dieses Theater ihren Männern jede Nacht vor. Und ich bin anständig. Verdammt anständig.“ Der Junge hört gar nicht hin, und der Rezensent vermerkt zwar achtungsvoll die Provokation, kann ihrer aber nicht froh werden. Leider nämlich steht dieses Gleichnis für die amerikanische Sexualmoral auf tönernen Füßen. Das Knäblein hier (Scott Marlowe ist eine fatale Fehlbesetzung) und die reife Frau (Lola Albright) dort – das drängt jede andere Frage ins Nebenbei ab und hat dank der teils überhitzten, teils laschen Behandlung dieses Konflikts nicht einmal mehr mit der viel beschrieenen Angst vorm Matriarchat zu tun. Von der Bereitschaft zur Kritik bis zum hinreichenden künstlerischen Vermögen ist noch ein weiter Schritt, rpk