Die gewerkschaftseigene Unternehmensgruppe „Neue Heimat“, der etwa 28 Tochtergesellschaften angeschlossen sind, hat ihr Bauvolumen auch im Restriktionsjahr 1960 noch steigern können. Die Bauaufwendungen stiegen nämlich auf 521,3 (450) Mill. DM. Das Bauvolumen umfaßte 46 106 Wohnungen. Davon wurden im Berichtsjahr über 19 000 fertiggestellt, der Rest wird als Bauüberhang nach 1961 bezeichnet. Auch in den Jahren 1961 bis 1963 wird sich nach den Voraussagen von Heinrich Plett, Vorsitzender der Geschäftsführung, das Bautempo der „Neuen Heimat“ nicht vermindern. In 4 bis 5 Jahren müsse jedoch mit einer Halbierung der Wohnungsbautätigkeit in der Bundesrepublik gerechnet werden.

Auf der Passiv-Seite der Bilanz der Unternehmensgruppe „Neue Heimat“ finden sich Hypotheken, Grundschulden und Rentenschulden von fast 2 Mrd. DM bei einem Anlagevermögen von 2,2 Mrd. DM. Das zeigt einmal, welche bedeutsame Rolle die „Neue Heimat“ am deutschen Kapitalmarkt spielt, zum anderen geben diese beiden Zahlen bereits einen Vorgeschmack darüber, wie stark die Objekte der „Neuen Heimat“ belastet sein müssen. Alle Möglichkeiten der Fremdfinanzierung werden bis zum letzten Rest ausgenutzt. Einen weiteren bemerkenswerten Posten in der Gesamtbilanz bilden die sogenannten „Verkaufsgrundstücke“; sie umfassen das auf Vorrat gekaufte Bauland, das einen Bilanzwert von 525,7 (383) Mill. DM repräsentiert. Hier ist also eine Zunahme von knapp 150 Mill. DM eingetreten. Eine solche Vorratspolitik ist natürlich nicht ganz ungefährlich. Denn was geschieht, wenn die Baulandpreise, die ohnehin schon mancherorts die Neigung zeigen, rückläufig zu sein, überall ins Rutschen kommen?

Plett attackierte den Bundeswohnungsbauminister wegen des im Frühjahr diskutierten Baustopps, der einen Run auf die Aufträge ausgelöst und den Markt durcheinandergebracht hat. Nun, zum „Sünden fall wider die Marktwirtschaft ist es nicht gekommen. Man kann wirklich nur hoffen, daß ein solcher Plan nie wieder auftaucht. Noch nicht ganz zu den Akten gelegt scheint dagegen die Absicht des Bundeswohnungsbauministers zu sein (falls man ihn in der neuen Regierung wieder finden wird), die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen zu zwingen, ihren Hausbesitz den Mietern zum Kauf anzubieten. Praktisch muß der Mieter das Eigenkapital der Hauseigentümer durch eigene Ersparnisse ersetzen. Die Verzinsung, das ist gewiß, wird nicht hoch sein. Die „Neue Heimat“ schätzt auf 4 vH, wobei der Mieter dann natürlich das volle Reparaturrisiko zu tragen hat. Bei der vielfach recht mangelhaften Bauausführung sollte man die spätere Reparaturquote nicht zu niedrig ansetzen. Aber selbst wenn sich die Mieter zur Ablösung des Hausbesitzer-Eigenkapitals bereit finden sollten, so gäbe es noch einige verfassungsrechtliche Bedenken.

Die „Neue Heimat“ rät dem Bundeswohnungsbauminister, seine Privatisierungspläne doch zunächst einmal bei den bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zu versuchen. Vielleicht lassen sich hier praktische Erfahrungen sammeln. Der Einwand, in den bundeseigenen Wohnungen befänden sich hauptsächlich Beamte, ist nicht stichfest. Warum sollten nicht auch Beamte an der Eigentumsbildung interessiert sein? -ndt

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Preußag gründete Beratungsgesellschaft. – Um ihren Interessen im Ausland besser nachgehen zu können, gründete die Preußag die „Entwicklung und Beratung Gesellschaft mit beschränkter Haltung“. Sie soll vor allem Aufgaben in den Entwicklungsländern übernehmen. Zu Geschäftsführern wurden die Herren Rechtsanwalt Dr. Bartenberg und Dipl.-Ing. Königstorfer, beide Hannover, bestellt.