DIE ZEIT

Wider den Telekraten

Womöglich wird sich die Fünfte Republik unter de Gaulle in der Geschichte des 20. Jahrhunderts mit einem viel bescheideneren Platz begnügen müssen, als der General es erwartet.

Neuen Gipfeln entgegen?

Vorsichtiger Optimismus“ – so lautet die Bewertung der derzeitigen Ost-West-Verhandlungen in New York und Washington. Die drei Begegnungen Rusk–Gromyko und die zwei kürzeren Lord Home–Gromyko verliefen in einer Atmosphäre sachlichen Abwägens und Abtastens.

Ein Kabinett der Besten

Als am 17. September um sechs Uhr abends die Türen der Wahllokale geschlossen wurden, war ich in meinem Stimmbezirk dabei, wie der Wahlvorsteher mit der Auszählung der Stimmen begann.

Zeitspiegel

Nkrumah hat nun auch den letzten höchsten Engländer, der noch in Ghanas Diensten stand, entlassen. Der Generalstaatsanwalt Geoffrey Bing, ehemaliges Labourmitglied des Unterhauses, mußte von einem Tag zum anderen sein Büro verlassen.

Sie liegen auf Wacht an der Grenze

Die DDR mobilisiert. Ulbricht hat die Mobilmachung proklamiert, und er wendet sich dabei vor allem an die FDJ, den FDGB, den Demokratischen Frauenbund, die Betriebskampfgruppen, die Gesellschaft für Sport und Technik und den Deutschen Turner- und Sportbund.

Weltpolitiker aus Minnesota

Den amerikanischen Senator, der in diesen Tagen der Bundeshauptstadt am Rhein einen Besuch abstattet – Hubert Humphrey – zeichnen vor allem zwei Dinge aus: Er ist sehr liebenswürdig und er ist sehr unbequem, Seine Gegner sagen von ihm, er sei ein wenig zu redselig, wobei siedurchblicken lassen, daß sie eigentlich „geschwätzig“ meinen.

Gaitskell schlägt zurück

Der englische Oppositionsführer Hugh Gaitskell, dem der extreme linke Flügel seiner Partei im vergangenen Jahr hart zugesetzt hatte, hat sich wieder gefangen.

Marionetten-Minister und Koalitions-Kamarilla?

Die ’deutschen Wähler haben bei der Bundestagswahl keiner Partei zur absoluten Mehrheit verholfen; die neue Regierung kann daher nur auf der Basis einer Parteienkoalition gebildet werden.

Adenauer ist seiner Sache sicher

In Bonn rechnet man damit, daß sich die Koalitionsverhandlungen zwischen den Unionsparteien und den Freien Demokraten günstig entwickeln werden.

Gesucht: Ein zweiter Theodor Heuss

Die Sektstimmung, die nach dem 17. September bei den Freien Demokraten herrschte, hat nicht lange vorgehalten. Die kühlen Schachzüge Adenauers, den sie schon völlig geschlagen wähnten, hat sie schnell ernüchtert.

Die Sowjets diskutieren ihr Programm

Zwei Wochen vor dem XXII, Parteitag der KPdSU hat die Diskussion über das neue Parteiprogramm und das neue Parteistatut, deren Entwürfe vor zwei Monaten in Millionen Exemplaren veröffentlicht worden sind, in der Sowjetunion ihren Höhepunkt erreicht.

Esprit de Corps

Die französische Regierung schätzt, daß 35 Prozent aller Offiziere der französischen Algerien-Armee Gegner von de Gaulles Politik’sind und bereit wären, eine Friedensregelung mit der FLN zu sabotieren; 15 Prozent stehen hinter dem General und befürworten ein unabhängiges Algerien; die restlichen 50 Prozent verhalten sich neutral, würden aber – sollte de Gaulle sterben oder zurücktreten – wohl diejenigen unterstützen, die ein friedliches Verhandeln mit den Rebellen ablehnen.

Die Prinzen haben das Wort

In Laos geht die Regenzeit zu Ende..........................................................................................

Hessen: Der Trick mit der Glückstrommel

Versuchen Sie einmal, Sicherheit zu verkaufen. Das ist genauso, als ob man am Äquator Heizöfen oder am Nordpol Bikinis anbietet“, meint Alfred Daßbach, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Bauberufsgenossenschaften.

Männlichkeit ist eine Illusion

Die Wissenschaft spielt immer mehr die Rolle eines Spions am Schlüsselloch.“ Dieser Satz der kürzlich in einem Artikel der amerikanischen Zeitschrift „Science“ stand, stammt nicht aus der Feder einer etwas esoterischen Dame, die ständig eine Handbreit über den Tatsachen schwebt; diesen bissigen Kommentar schrieb Amerikas führende Ethnologin Margaret Mead.

Wie alt ist der Mensch?

Unsere Vorstellungen vom Alter des Menschengeschlechts mußten sich bisher auf wilde Vermutungen und Hypothesen stützen. Jetzt endlich können wir uns auf Tatsachen berufen So kommentierte dieser Tage der englische Anthropologe Dr.

4000 Jahre rollt der Ball

Der populärste Sport, der Volkssport par exellence, ist heute das Fußballspiel. Jeder Spieler und Zuschauer weiß, daß das Spiel in seiner jetzigen Form vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert auf den Kontinent gekommen ist und sich wie kein zweiter Sport den ganzen Erdball erobert hat.

Der Triumph des Schausports

Die italienischen Aufkäufer sind dabei, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu sprengen. Vielleicht kann Bundestrainer Herberger seine „Männer“ noch bis zur Weltmeisterschaft in Chile im nächsten Jahr zusammenhalten.

Was gelten Vergleiche mit der Geschichte?

Der Artikel enthält so viele kluge und einleuchtende Überlegungen, daß es für den westdeutschen Staatsbürger beschämend und erdrückend sein muß, daß in den letzten zehn bis zwölf Jahren nicht ein einziger maßgebender Politiker der Regierungspartei solche Gedanken einmal vorgebracht hat – ein Beweis für die geistige Uniformierung durch den Mann, der bisher die Richtlinien der deutschen Politik bestimmt hat.

Nur ausweichende Antworten

Den Artikel über die sowjetische Weltausstellung in Paris fand ich äußerst wirklichkeitsnah. In London ist mir einst bei der gleichen Kultur- und Handelsausstellung ähnliches passiert.

Der Funktionär grinste nur spöttisch

Man führte mich in ein Büro – es war nicht das gleiche, das ich bei meiner Ankunft aufgesucht hatte –, wo ich einem etwa dreißigjährigen Beamten gegenüberstand.

Die Welt zu Gast in Berlin

Wozu sich die Berliner Festwochen im Laufe eines Jahrzehnts herausgebildet haben, das kommt in diesem Herbst deutlicher als früher zum Bewußtsein.

Zeitfragen: Klassiker im Gegenwartsjargon?

Da hätten wir den Mann Ezra Pound, diesen genialen und verrückten Lyriker, dem wir so vieles, ja vielleicht alles nachsehen, weil er Amerikaner ist, an dem aber auch einiges und manches und meinetwegen vieles ernstzunehmen ist, unter anderem seine profunde Kenntnis der Alten, der griechischen Klassiker, und seine Sprachkenntnisse und Übersetzungskünste, und von eben diesen soll hier die Rede sein.

Die Mauer

„Der ... Wohnbezirk ist ... unter Ausnutzung von Brand- und Trennmauern und durch Vermauerung von Straßenzügen, Fenstern, Tür- und Baulücken abgetrennt.

Sehen, was ist

Jean Cocteau soll einmal seinen Freund Pablo Picasso gefragt haben, was er von seinen Zeichnungen hielte. Picasso riet ihm, er solle lieber das Zeichnen lassen, er selbst versuche sich ja auch nicht im Schreiben.

Über die Grenze dieser Jahre

Man könnte Rostrot wählen. Nicht die Farbe, sondern das Wort, die Farbe im Wort. Später, wenn alles geschehen wäre, das noch nie da war, nur im Wort da ist, ununterbrochen, lauernd, vibrierend, dann wäre manvielleicht erschreckt, aber wer weiß, wie dieser Schrecken sein wird – wie ein Meißel oder wie eine laue Dusche, wie ein rostrotes Holz oder wie Laub.

Zeitmosaik

Eine amerikanische Untersuchung berichtet über Anzahl und Verteilung der Studenten aus den Entwicklungsländern (Naher und Ferner Osten, Afrika und Lateinamerika zusammen), die im Jahr 1960 Universitäten in den vier wichtigsten westlichen Ländern und im Ostblock besuchten.

Aschenputtels Tod

Um die Gestalt des Zeitungszaren William Randolph Hearst ist immer ein großes Rätselraten gewesen. Für die einen war er ein Teufel, der seine Opfer nicht in Siedekesseln, sondern in Druckerschwärze kochte, für die anderen ein Genie und Patriot.

Neues aus Neppia

Im Hinblick auf die eben zu Ende gehende Saison 1961 konnte der Vorsitzende der N.I.A. Egon Federball (Wien) feststellen, daß Touristen, die mit mehr als zehn Mark in ihr Heimatland zurückkehren, so gut wie verschwunden sind.

Ein Holländer in Berlin

Es sei beinahe bei jedem Festival so, daß Kritiker sagen, es hätte kein eigenes Gesicht; so hätte man es auch diesmal, bei den Berliner Festspielen, hören können: es fehle die spezifisch berlinische Physiognomie.

Mit Jazz gegen Vermassung

Im Programmheft zum diesjährigen siebenten Deutschen Amateur-Jazz-Festival hieß es: „Statistiken schätzen, daß es 1961 über 15 000 Jazz-Amateure in Deutschland gibt.

Kleiner Kunstkalender

Ausstellungen, die lokale Veranstaltungen sind, zeigen im allgemeinen kein hohes Niveau. Günstigere Eindrücke empfängt der Besucher, wenn Extrakt geboten wird wie in Leverkusen, wo eine „Auswahl aus der großen Berliner Kunstausstellung 1961“ gezeigt wird.

Mein Bild

War mir das Bild schon aus Reproduktionen bekannt, bevor ich das Original nach dem Kriege in der Hamburger Kunsthalle sah? Ich weiß es nicht.

Hüben und drüben: DDR-Humor

Nein, ich werde den Humor in der DDR nicht verspotten. War nicht der deutsche Humor schon immer ein etwas trauriges Thema? Und ist es etwa heute in der Bundesrepublik um den Humor so gut bestellt? Wir sollten schließlich von der DDR nicht zuviel verlangen, sondern eher dankbar sein, daß man sich dort mit dieser Problematik ernsthaft beschäftigt.

Zu empfehlen

„Liebe in unserer Zeit“, 32 Erzählungen, herausgegeben von Rolf Hochhuth, mit (zwei sehr bemerkenswerten) Essays von Otto Flake und Martin Beheim-Schwarzbach; Rütten & Loening Verlag, Hamburg; 633 S.

Knalleffekte in Todesnähe

Erich Maria Remarque – von „Im Westen nichts Neues“ zu „Der Himmel kennt keine Günstlinge

Unser Seller-Teller September 1961

langsam beginnt es sich zu regen auf dem deutschen Büchermarkt. Die Verleger, die im vorigen Jahr auf der Buchmesse noch Attrappen über Attrappen ausgestellt hatten, haben sich diesmal um Pünktlichkeit bemüht.

Kritiker aus Liebe

Wer sich von Berufs wegen mit dem Theater auseinanderzusetzen hat, wird im Laufe seiner Zeit kaum daran vorbeikommen, beim Ihering, beim Kerr, beim Polgar nachzublättern.

29. September, das Hörspiel:: ,,Der Hund“

Man darf nicht nur so dahinleben, nur an den Augenblick, an ein schönes Heim und ans Sattwerden denken. Man muß mit allem, was geschehen ist, fertig werden, sonst stellt sich unerbittlich die Angst ein.

Totenklage um ein Volk

„Es kommt vor, daß die Völker ihre Söhne verlieren: Das ist ein großer Verlust, gewiß, und es ist gar nicht leicht, sich darüber zu trösten; doch da kommt Doktor Soifer mit seinem Verlust .

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