Von Martin Beheim-Schwarzbach

Da hätten wir den Mann Ezra Pound, diesen genialen und verrückten Lyriker, dem wir so vieles, ja vielleicht alles nachsehen, weil er Amerikaner ist, an dem aber auch einiges und manches und meinetwegen vieles ernstzunehmen ist, unter anderem seine profunde Kenntnis der Alten, der griechischen Klassiker, und seine Sprachkenntnisse und Übersetzungskünste, und von eben diesen soll hier die Rede sein. Ezra Pound hat die These aufgestellt, jede Epoche habe ein Anrecht auf ihre eigene und eigentümliche Übertragung der Klassiker, und die Art, wie unsere Altvordern einen griechischen Tragödiendichter übersetzten, sei uns so fremd, daß sie die Urfassung verfälschten. Es sei vonnöten, unseren eigenen Jargon, sei es auch ein Gassenjargon, anzuwenden, nur so werde der Geist der Urfassung uns verständlich, bleibe er uns erhalten.

Von dieser Auffassung liefert er ein drastisches Beispiel mit seiner Version der Sophokles-Tragödie „Traxiniae“ oder „Die Frauen von Trachis“, und in der Verdeutschung von Eva Hesse wird uns klar, wie ernst er es mit seiner These meint.

Sollen auch wir sie ernst nehmen? Das ist die Frage. Eins scheint mir gewiß: daß die deutsche Literatur keinem einheimischen Autor diesen dreisten und drastischen Versuch durchgehen lassen würde, jedenfalls keinem zeitgenössischen. Immerhin darf man hierzu Martin Luther zitieren: „Man muß nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, wie diese Esel tun; sondern man muß die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen, so verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihnen redet.“

Bevor man sich entscheidet, ob man die „maulgerechte Übersetzung ehrwürdiger Sprachdenkmäler billigt oder nicht, stelle man sich das eine oder andere Beispiel dazu vor; ich habe hierzu den berühmten Hamlet-Monolog gewählt, ohne dem Leser in seinem Urteil vorgreifen zu wollen: Man höre:

Soll man, oder soll man nicht, das ist die Frage. Obs besser wäre, die Schikanen des Lebens hinzunehmen, oder aufzumucken und sie mit Gewalt zerhauen –? Krepieren, pennen, weiter nichts. Zu wissen, daß damit die tausend Schweinereien, die uns zugemutet werden, enden. Ja, das war’s! Krepieren, pennen.

Pennen. Oder auch nur dösen. Klar: