Im Programmheft zum diesjährigen siebenten Deutschen Amateur-Jazz-Festival hieß es: „Statistiken schätzen, daß es 1961 über 15 000 Jazz-Amateure in Deutschland gibt. Der Jazz hat dem jungen Menschen in der organisierten Welt ein Betätigungsfeld erschlossen, in dem er die eigene Aktivität und den eigenen Schöpfungsdrang gegen den Schematismus, gegen die Organisation der Vermassung durchsetzen kann.“

Wer allerdings glaubte, beim diesjährigen Amateur-Jazz-Festival etwas mit bloßem Schöpfungsdrang (sprich: Keller-Jazz) ausrichten zu können, hatte nicht mit dem fast schon professionellen Niveau dieses Wettbewerbs gerechnet. In drei Konzerten boten 26 Bands teilweise funk- und schallplattenreifen Dixie-Swing und „modern jazz“.

Fazit gegenüber den Vorjahren: Keine Experimente. Aber die modernen Jazzstile – wie „West Coast“ und „Hard Bop“ – setzten sich diesmal mehr durch. Die traditionellen Bands die bei uns, im Gegensatz etwa zu Amerika, immer noch die populärsten sind, schworen zum Glück den englischen „Trad“- Bands ab und eifern jetzt eher den zeitloseren und farbechteren USA-Vorbildern des Dixie-Swings nach. Die Trompeter zum Beispiel folgen stilistisch den Spuren des „one and only“ Satchmo Armstrong,

Glanzlichter des vom nordrhein-westfälischen Kultusminister und von der Stadt Düsseldorf geförderten Festivals waren: die an internationales Format heranreichenden Pianisten Rolf Lüttgens (vom Frankfurter Dieter von Götze-Trio) und Jack van Poll (Roosendaal), der Kieler Vibraphonist Gert Rathje, die Bob Crosby nacheifernden Berliner „Dixieland Messengers“ mit ihrem talentierten Bassisten Michael Dörnmann, der Berliner Tenorhornist Lothar Behr mit seinem Parkerinspirierten Altsaxophonisten Peter Reinke, der junge Altsaxophonist Fritz Wrzecziono des Göttinger Günter Hampel-Quintetts und das Berliner „Spiritual-Quartett“ mit dem schwarzen Bariton Francis Charles und der blonden Altistin Erika Untiedt – die so gut aussah, daß die Kritiker ihren Ohren nicht trauten, als sie obendrein auch noch kräftig mit-psalmodierte.

Aber trotz ihrer brillanten Imitationen erkannte die Jury der selbständigen Improvisation den Lorbeerkranz zu: Drive und Musikalität verhalfen den Frankfurter „Dixieland Swing-Cats“ in der „oldtime“-Sparte und dem Frankfurter Dieter von Goetze-Trio in der „modern“-Gattung zu Siegerplätzen. Joe Schevardo