Von Wolfgang Ebert

Die diesjährige Tagung der internationalen Touristen-Vereinigung N.I.A. (Nehmt ihnen alles!) fand in Neppia statt und stand unter dem Motto: Bis aufs Hemd!

Im Hinblick auf die eben zu Ende gehende Saison 1961 konnte der Vorsitzende der N.I.A. Egon Federball (Wien) feststellen, daß Touristen, die mit mehr als zehn Mark in ihr Heimatland zurückkehren, so gut wie verschwunden sind. Dem Tagungsmotto entsprechend wurden Fälle erwähnt, wo es gelungen war, Jacken und Mäntel von Touristen noch an der Grenze als Pfand einzubehalten.

„Der Kampf um den Geldbeutel des Touristen beginnt bereits in seiner Wohnung“, erklärte Mr. Tipping (Denver). „Sobald der zukünftige Tourist der Werbung entnommen hat, daß ihn die Reise durch enorme Vergünstigungen so gut wie nichts kostet, ist er uns praktisch schon mit Haut und Haaren ausgeliefert. Von diesem Augenblick an dürfen wir ihn allerdings auch nicht mehr aus den Fingern lassen!“

Als einige Teilnehmer besorgt darauf hinwiesen, daß sich die Zahl widerborstiger Touristen mehre, die nur auf eigene Faust reisen wollen, wurden sie von Prof. Lira (Rom) durch die Versicherung beruhigt, man habe diese Abtrünnigen bereits in Gesellschafts-Alleinreisen wieder aufgefangen, die sie allerdings erheblich teurer zu stehen kommen. „Uns entkommt so leicht keiner“, erklärte er. schmunzelnd und strich sich dabei seinen Bart.

Besonderes Aufsehen erregten einige neue, von den Italienern, diesen großen Pionieren und Entdeckern des Raubtourismus, erdachte Verfahren, Sonnenuntergänge am Meer, die es ja bedauerlicherweise bisher immer noch umsonst gab, nur noch gegen Eintrittsgeld (zuzüglich Vergnügungssteuer) stattfinden zu lassen. „Bei uns weiß das ganze Land, um was es geht. Auf diesem Gebiet haben wir Vollbeschäftigung“, meinte der Professor.

Zum Thema „Die Bahnhofsschlacht“ äußerte sich anschließend Priv.-Dozent Bagage (Paris), der Chef-Psychologe der N.I.A.: „Bei der Ankunft am fremden Bahnhof ist der Tourist am verwundbarsten. Hier gilt es hart und unbarmherzig zuzuschlagen.“ Bagage richtete einen eindringlichen Appell an alle Gepäckträger und Taxichauffeure, sich mit allen Kräften für das große Ziel einzusetzen, und vergaß dabei auch nicht die wichtige Gruppe der „Quartierwisser“ zu erwähnen, deren Aufgabe bekanntlich darin besteht, Touristen in genau das Hotel zu schleifen, in das sie nie und nimmer wollten, weil es dreimal so teuer ist.