Es sieht so aus, als sollte man die Worte Heer und Ghetto nach allem, was in Polen und Rußland während des letzten Krieges geschehen ist, nicht unnötig miteinander in Verbindung bringen – vor allem, da es in Kurt P. Flaakes Sendung Soldaten im Ghetto?“ ja doch nur um die Frage nach den nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Truppe und Zivilbevölkerung ging, auf eine Formel gebracht: öffnen die Mädchen noch die Fenster und die Türen, wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren? Am Schluß der Sendung war man belehrt, die Sache sieht gut aus, das Mißtrauen ist geschwunden, man tanzt und schwätzt miteinander, die Bundeswehr ist ja auch sehr lieb und transportiert ununterbrochen in ihren Hubschraubern kranke Zivilisten hin und her.

Nein, die Bundeswehr ist doch noch – nicht in einem Ghetto aber in einem sorgfältig abgezirkelten Schonbezirk: Der Mut, die Direktheit, das inquisitorische Fragen verlassen unsere Fernsehreporter, wenn sie Kasernen sehen. Diesem Gesetz beugten sich bisher alle Soldaten-Sendungen, nach Neven duMonts Reportage nun auch die Flaakes. Denn daß sich die Mädchen wieder zu den Soldaten drängen, ist ja, menschlich gesehen, ein hübscher Zug an ihnen, politisch und soziologisch betrachtet aber irrelevant.

Ist etwas dran an dem bösen Wort von der Armee der Regierung? Wie kommt es, daß auch der jüngste Rekrut nach einem halben Jahr die außenpolitische Konzeption von Adenauer und die militärpolitische von Strauß nachplappert? Wird denn da wirklich im staatsbürgerlichen Unterricht die politische Ideenwelt einer bestimmten Partei, nämlich der Regierungspartei, gelehrt? Gibt es unter Tausenden von Schulungsoffizieren eigentlich einen einzigen, der die atomare Bewaffnung der Bundeswehr aus außenpolitischen Gründen ablehnt? Man weiß die Antworten darauf nicht, aber gestellt werden müßten diese Fragen in einer Sendung mit dem Untertitel „Bundeswehr, Politiker, Öffentlichkeit Stattdessen wurde auch noch ausführlich gezeigt, wie ein Bundeswehr“

Hubschrauber nach einem Kranken auch noch eine Blutkonserve durch ganz Norddeutschland fliegt.

Wie eine politische Reportage aussehen soll, hatte am Tag zuvor Bernt Engelmann mit dem Filmbericht über den internationalen Waffenschmuggel „Kleine Kriege – große Geschäfte“ gezeigt. Aber hier ist ja auch nicht zu befürchten, daß die Fraktion eines Rundfunkrates politischen Einspruch erhebt. lupus