Von Katharina Hoke

Jean Cocteau soll einmal seinen Freund Pablo Picasso gefragt haben, was er von seinen Zeichnungen hielte. Picasso riet ihm, er solle lieber das Zeichnen lassen, er selbst versuche sich ja auch nicht im Schreiben. Eine ebenso harte und eindeutige Antwort von einem Dichter mußte sich der Maler Degas gefallen lassen, der sich hin und wieder im Dichten versuchte und meinte, seine Gedichte scheiterten am Überfluß seiner Ideen. Mallarmé sagte ihm: „Verse macht man nicht mit Ideen, sondern mit Worten.“

Daß solch ein entmutigendes „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ nicht gar zu ernst, zu nehmen ist und nicht gar zu ernst genommen wurde, dafür gibt es hinreichend Beispiele. Nicht nur der Maler Degas hat gedichtet; das tat auch Kokoschka, und er überzeugte mit seinen Gedichten wie mit seinen Bildern. Hans Arp dichtete, Ernst Barlach dichtete, Kurt Schwitters dichtete, Paul Klee tat es, und auch Picasso, der nur zu malen vorgibt, schrieb ein Theaterstück.

Und die Dichter? Paul Valéry, ein Dichter, der zeichnete und malte, war es, der „das Zeichnen die vielleicht nachhaltigste Versuchung des Geistes“ nannte.

In Zürich findet zur Zeit in der Galerie Daniel Keel eine so ungewöhnliche wie interessante Ausstellung statt – „Dichterzeichnungen von Ringelnatz bis Dürrenmatt“ – die zeigt, wie viele Dichter dieser „Versuchung“ erlegen sind und wie vielfältig (vom anspruchsvollen Kunstwerk bis zur anspruchslosen, doch geistreichen zeichnerischen Spielerei) die Beziehungen zwischen Dichtung und bildender Kunst sind.

So verschieden die poetischen Aquarelle Hermann Hesses von den grotesk-phantastischen Farbstiftzeichnungen Fritz von Herzmanovskys seinmögen, so wenig das schaurig-naive Gewitterbild Dürrenmatts mit den beiden gefräßigen Fischen, die im Gegensatz zu dem verängstigten Mann in seinem winzigen Kahn wohl in ihrem Element zu sein scheinen, oder Walter Mehrings „Venedig“ und die maillolsche Aktstudie Max Frischs miteinander gemeinsam haben, eine Übereinstimmung fällt doch auf: Die Dichter malen oder zeichnen gegenständlich (und sie haben eine Vorliebe für die Karikatur).

Vielleicht darf man hier eine Erklärung sehen für jene überraschende und so häufig begegnende Parallelität Dichter-Maler. Warum nicht Dichter-Musiker? Kehrt nicht in jeder Gedichtinterpretation der Begriff „musikalisch“ oder „Versmelodie“ wieder? Gewiß, es mag da Ausnahmen geben. E. T. A. Hoffmann war Dichter, Maler und Musiker, Igor Strawinskij zeichnet. Doch ihrer sind wenige, verglichen mit den Dichter-Malern, Dichter-Zeichnern, Dichter-Bildhauern.