Golo Mann: „Die Rechnung für den verlorenen Krieg“, ZEIT Nr. 39

Der Artikel enthält so viele kluge und einleuchtende Überlegungen, daß es für den westdeutschen Staatsbürger beschämend und erdrückend sein muß, daß in den letzten zehn bis zwölf Jahren nicht ein einziger maßgebender Politiker der Regierungspartei solche Gedanken einmal vorgebracht hat – ein Beweis für die geistige Uniformierung durch den Mann, der bisher die Richtlinien der deutschen Politik bestimmt hat. Es wird höchste Zeit, von der geistigen Freiheit, auf die wir im Westen so stolz sind, einmal ausgiebigeren und besseren Gebrauch zu machen.

M. J. Mehs, Wittlich (Rheinland)

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Ich möchte aus Ihrem Artikel vor allem einen Punkt herausgreifen: Sie führen aus, daß die de-facto Anerkennung der Zone heute unvermeidlich geworden sei; wir sollten aber diesen Preis nur gegen Bedingungen zahlen wie: Freizügigkeit der Bürger in der Zone, Amnestierung politischer Häftlinge.

Nun, ich glaube nicht, daß dieser Vorschlag praktisch durchführbar ist. Wir können zwar vielleicht den Zonenmachthabern das Versprechen, die Lebensbedingungen in der sogenannten DDR zu verbessern, abnehmen – wer aber garantiert uns, daß dieses Versprechen auch wirklich eingehalten wird? Selbst wenn uns angeboten wird, eine internationale Institution wie etwa die Vereinten Nationen zur Überwachung der Einhaltung dieser Bedingungen einzusetzen, sind wir vollkommen machtlos, wenn die Zonenmachthaber die Daumenschraube, die sie vorübergehend lockerten, wieder ebenso straff wie vorher anziehen. Die Sowjetzone ist dann aber allgemein in der Welt als selbständiger Staat anerkannt. Heinz Gaßmann, Stuttgart

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