Von Heinz Stuckmann .

Gelsenkirchen.

Die Betriebsleitung der Firma Marcona-Kleidung in Gelsenkirchen war im Chef-Büro versammelt und hörte sich an, was der Betriebsanalytiker Hansen von der „Unternehmensberatung Dr. von Schütz GmbH“ zu sagen wußte. Da meldete die Sekretärin, Herr Martin werde dringend am Telephon verlangt. Erwin Martin, Mitinhaber und Geschäftsführer der Marcona-Kleidung, winkte ärgerlich ab. Doch die Sekretärin sagte noch einmal: Es sei sehr dringend; die Gewerkschaft verlange ihn zu sprechen und sei auch nicht abzuweisen. Der Geschäftsführer ging in den Nebenraum und nahm den Hörer.

Es meldete sich Ingebert Zimny, Leiter der Geschäftsstelle der Gewerkschaft Textil-Bekleidung in Gelsenkirchen, und sagte: „Herr Martin, können wir mit ihnen einen Hausvertrag abschließen Es dauerte eine kleine Weile, bis der Geschäftsführer begriffen hatte. Dann meinte er: Man müsse doch wohl erst einmal Gegenstand und Forderungen eines solchen Vertrages kennen, ehe man sich äußern könne. Zimny daraufhin: „Unsere Bedingungen sind ihnen ja wohl bekannt ...“

Erwin Martin kannte aus der Presse und den Mitteilungen seines Verbandes nur das, was zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern seit Wochen auf Bundesebene verhandelt wird. Die

Gewerkschaft Textil-Bekleidung hat die Tarife gekündigt und neue Forderungen angemeldet. So soll der Grundlohn von DM 1,75 auf DM 2,00, für Näherinnen, Einrichterinnen und Springerinnen auf DM 2,07 erhöht werden. Ferner verlangt die Gewerkschaft eine neue Arbeitszeitregelung nach dem Motto: „Vierzig Stunden sind genug.“

Tatsächlich steht die Textilindustrie auf der Lohnskala ziemlich am unteren Ende. Da aber die Verhältnisse sowohl in den einzelnen Gebieten wie auch in den verschiedenen Zweigen recht unterschiedlich sind, kamen die Kontrahenten nach mehreren Verhandlungen zu keinem Ergebnis. Auch der Landesschlichter hatte mit seinem Vermittlungsvorschlag – 15 Pfennig mehr pro Stunde – kein Glück. All das war dem Mircona-Geschäftsführer bekannt. Und er wartete darauf, was sein Verband wohl für angemessen halte. Das sagte er auch dem Gewerkschaftssekretär. Der aber meinte: „Herr Martin: Entweder schließen sie mit mir ab oder ich mache am Montag den Laden bei Ihnen dicht.“ Das war am Freitag, dem 29. September.