Ein kurzes, bitteres Lachen stand im Saal, als Rechtsanwalt Dr. Lange, Konkursverwalter der Carl F. W. Borgward GmbH, mit hanseatischer Noblesse die Schuldfrage am Borgward-Konkurs gestreift hatte. Dr. Lange berichtete den Gläubigern der Borgward-Werke, die sich im großen Saal der Bremer „Glocke“ zur ersten Gläubigerversammlung im bisher größten Konkursverfahren der Bundesrepublik zusammengefunden hatten. Von den 1300 Stühlen war allerdings gut die Hälfte leer geblieben.

Es war schwer zu entscheiden, so sagte Dr. Lange, warum keine Rationalisierungsmaßnahmen ergriffen wurden und keine Entlassungen erfolgten, als nach der Übernahme der Borgward-Werke durch den Bremer Staat noch immer weitere Verluste eintraten. Sarkastische Bemerkungen begleiteten die Feststellung, daß der Senat keine Möglichkeit dazu gesehen habe.

Viele Bremer – und auch viele Gläubiger – glauben genau zu wissen, warum keine Entlassungen erfolgten. Die Gewerkschaften waren dagegen, sagen sie. Schon immer hatten die Gewerkschaften in den Borgward-Werken ein gewichtiges Wort mitgesprochen.

Der Unmut der Gläubiger – die Konkursverwalter hatten ein düsteres Bild gemalt und ihnen kaum Aussicht auf eine nennenswerte Ausschüttung für nichtbevorrechtigte Forderungen gemacht – bahnte sich Luft, als der Konkursrichter, Amtsgerichtspräsident Dr. Peters, sich zu einem „persönlichen Wort“ genötigt sah. Von einem führenden Politiker sei eine Erklärung abgegeben worden, die der Versuch eines Eingriffs in die richterliche Unabhängigkeit und gleichzeitig eine Ehrenkränkung sei.

Es sei eine „tolle Sache“, die sich der frühere Vergleichs- und jetzige Konkursrichter geleistet habe, hatte der SPD-Politiker Boljahn gesagt, als Peters von dem Senat die Klarstellung über ein Kaufangebot für die Borgward-Werke gefordert hatte. Man werde den Richter „durchleuchten und sehen, wo er herkommt, und die Sache vor die Deputation bringen“.

Mit „pfui“, „unerhört“ und „Skandal“ quittierten die Gläubiger den vom Amtsgerichtspräsidenten mit sichtlicher Bewegung vorgetragenen Bericht. Für sie hat der Schuldige an dem Borgward-Dilemma damit offensichtlich Gestalt angenommen: Richard Boljahn, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion im Bremer – Parlament, Vorsitzender des DGB in Bremen und in diesem Sommer zeitweilig auch Aufsichtsratsmitglied der Borgward-AG, mit deren Gründung das Land Bremen die Borgward-Werke hatte sanieren wollen.

Wie es weitergeht? Konkursverwalter Lange berichtete von schwebenden Verkaufsverhandlungen über das Sebaldsbrücker Werk, doch sei das Preisangebot zu niedrig. Hinter der Hand raunt man sich in Bremen zu, daß in Sebaldsbrück Mercedes-Direktoren gesehen worden seien. Für die Goliath-Werke besteht die vage Hoffnung, daß die Maschinen nach Argentinien verkauft werden könnten.

Heinz Michaels