Die Kapitalerhöhung bei den Guano-Werken

In der vorigen Ausgabe der ZEIT heißt es in dem Bericht über die Börse, daß der Kursanstieg der Aktien der Guano-Werke vermutlich auf Majoritätskäufe des bisherigen alleinigen Großaktionärs (Wasag-Chemie) zurückzuführen sei. Inzwischen hat sich wohl herausgestellt, daß diese Vermutung nicht stimmte. Die Guano-Werke werden vielmehr eine Kapitalerhöhung um 4,2 auf 11,2 Mill. DM vornehmen und die jungen Aktien der Wintershall AG zum Kurs von 500 vH anbieten. Das gesetzliche Bezugsrecht der Aktionäre soll also ausgeschlossen werden.

Ist das nicht eine Benachteiligung der Aktionäre? Soll man als freier Aktionär diesem Plan auf der Hauptversammmlung zustimmen? L. M., Hamburg

Antwort: Die Kapitalerhöhung bei der Guano-Werke AG (vormals Ohlendorff’sche und Merck’sche Werke), Hamburg, hat mehrere interessante Aspekte. Sehen wir uns zunächst die Tatsachen an. Mit ca. 60 vH beziffert die Wasag-Chemie ihren Anteil am Grundkapital (7 Mill. DM) der Guano-Werke. Die Wasag-Chemie gehört zum Krupp-Bereich und besitzt noch eine Reihe weiterer guter Beteiligungen.

Die Wintershall AG hat den Wunsch geäußert, eine gleich hohe Beteiligung an Guano zu besitzen, wie sie die Wasag-Chemie innehat. Deshalb die Kapitalerhöhung um 4,2 Mill. DM. Das Aktienkapital der Guano-Werke von künftig 11,2 Mill. DM wird also liegen zu je 37,5 vH bei der Wasag-Chemie und Wintershall und zu 25 vH in Händen freier Aktionäre. Beide Großaktionäre verfügen künftig also über die Dreiviertelmehrheit.

Der große Gewinner der Transaktion ist auf alle Fälle die Guano-Werke AG selbst, denn sie erhält 21 Mill. DM neu in die Kasse. Daß Wintershall für die jungen Aktien der Guano-Werke einen Preis von 500 vH bezahlen will, ist eine echte Sensation, denn der Börsenkurs schwankte lange Zeit um 350 vH herum. Warum hier ein so hoher Aufpreis bewilligt worden ist, wird Wintershall vielleicht vor den eigenen Aktionären auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr sagen müssen. Guano schüttete zuletzt eine Dividende von 10 vH aus.

Die Transaktion ist erstaunlich geheimgehalten worden. Wenn vielleicht auch nicht ganz, denn seit mehreren Wochen konnte der aufmerksame Börsenbeobachter bemerken,, daß sich hier etwas „rührte“. Ganz vorsichtig wurden von bestimmter Seite Kaufaufträge in den Markt gelegt.