München

Auf geradezu beispielhaft bayerische Art und Weise erledigte sich Ende letzter Woche sozusagen von selbst eine Angelegenheit, die Ministerpräsident Hans Ehard einige Sorgen bereitet hatte: Die Affäre Heinz Schellhorn.

Heinz Schellhorn war Präsident des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, einer Institution, die an der Isar, wo man laxen Auffassungen huldigt und „preußische Korrektheit“ beinahe ein Schimpfwort ist, keine Beliebtheit genießt. Lange Jahre waren die Prüfungsberichte des Bayerischen Obersten Rechnungshofs ein Albdruck sondergleichen für Ministerien und Verwaltungsbehörden gewesen, allerdings nicht unter Heinz Schellhorn, sondern unter dessen Vorgänger, Richard Kallenbach.

Unerbittlich spürte Kallenbach schwarze Kassen auf, mit denen die Exekutive ihre Gelder der ordnungsgemäßen Abrechnung entzog. Unerbittlich fertigte er Studien an, aus denen hervorging, daß einzelne Sparten der bayerischen Verwaltung um ein Mehrfaches teurer arbeiteten als in anderen Bundesländern. Und unerbittlich hielt er sich über die sagenhaften Baukostenüberschreitungen auf, die Bayern nach dem Kriege eine traurige Berühmtheit eintrugen.

Von 1950 bis 1954 hieß Bayerns Ministerpräsident Hans Ehard. Zwischen ihm und dem unermüdlichen Mahner zur Sparsamkeit mit Steuergeldern war es wiederholt zu Differenzen gekommen. Wenige Monate vor Ablauf der Legislaturperiode erreichte Richard Kellenbach das 65. Lebensjahr. Allgemein wurde angenommen, das Dienstverhältnis des hochangesehenen Präsidenten würde, wie damals vielfach üblich, über die Altersgrenze hinaus um eine bestimmte Frist verlängert werden. Allein, Ehard verfügte die Pensionierung und wußte auch eine Begründung; Kallenbach hatte dem Vorsitzenden eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der bestimmte staatliche Bauvorhaben unter die Lupe nehmen sollte, auf dessen Aufforderung hin Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Hierin erblickte der Ministerpräsident ein Zusammenspiel des Rechnungshofes mit der Opposition, die den Untersuchungsausschuß betrieb – und das in einem Wahljahr. Hinweise, Präsident Kallenbach habe nichts anderes getan, als es die bayerische Verfassung in ihrem Untersuchungsausschuß-Artikel vorschreibt, verfingen bei Ehard nicht.

Noch rechtzeitig vor Schluß der Legislaturperiode wurde ein neuer Präsident des Obersten Rechnungshofes ernannt: Heinz Schellhorn, Duzfreund Ehards und, wie auch der Ministerpräsident, Mitglied im Akademischen Gesangverein. Dann fand sich Hans Ehard als schlichter Abgeordneter im Bayerischen Landtag wieder – das nächste (wie auch das übernächste) Landeskabinett bedurfte seiner nicht.