In dieser Nummer finden unsere Leser zum ersten Male – soweit es nach uns geht, nicht zum letzten Male – eine Rubrik, die wir „Ein kritischer Querschnitt“ überschrieben haben.

Wieder leitet uns dabei das Bestreben, in diesem fragwürdigen Geschäft der Literaturkritik gerecht, so gerecht wie nur irgend, möglich zu sein. Ein Autor, auch wenn er sehr fix und ein bißchen schlampig ist, arbeitet an einem Buch drei Monate (und oft das Zehnfache dieser Zeit); ein Kritiker, auch wenn er sehr gewissenhaft und gründlich ist, arbeitet an einer Rezension drei Tage (und oft ein Zehntel dieser Zeit).

An diesem Mißverhältnis kann man herumkorrigieren, soviel man will: wirklich ändern läßt es sich nicht.

Auch lieben wir es, zuweilen eine eigene „Linie“ – dieses sogar mathematisch fragwürdige Gebilde – zu verleugnen und viel lieber zu sagen, was ist.

Über Bücher, die uns solche (vom rein Technischen her erhebliche) Anstrengungen wert scheinen, werden unsere Leser in Zukunft neben der Rezension des ZEIT-Kritikers Stimmen all derjenigen Rezensenten hören, die hierzulande etwas zu sagen haben. So eine Buch-Rezension darf ja nicht als Evangelium gelesen werden. Das Urteil muß sich einpendeln auf eine vernünftige Mittellage. Dabei wollen wir helfen.

Eine Nebenabsicht sei gleich noch mitgeteilt, ehe sie von allzu findigen Mißtrauern „entdeckt“ wird: Es gibt Bücher, bei denen uns der „Querschnitt“ die eigene Stellungnahme nicht nur ergänzen, sondern geradezu ersetzen soll – Bücher nämlich, denen gegenüber wir uns selber für „befangen“ halten müssen – sei es, daß derjenige, der sie geschrieben hat, unser Freund, Mitarbeiter, Kollege ist; sei es, daß just das Gegenteil (Feind, Fremder, Konkurrent) geargwöhnt werden könnte.

Natürlich werden wir es auch damit nicht jedem recht machen können („vielen gefallen ist schlimm“) – aber wir bemühen uns immerhin.