Er möchte den Leser auf große Stilvollendung vorbereiten, schreibt T. S. Eliot 1937 zu Djuna Barnes’ Roman "Nachtgewächs", "auf Schönheit des Ausdrucks, Brillanz und Geist in der Charakterisierung und den Geschmack von Grauen und Untergang..." Eliot bereitete vergebens vor. Allzu wenige nahmen den Roman "Nachtgewächs" zur Kenntnis. Djuna Barnes’ "Nightwood", "kaum gelesen, gepriesen und verdammt" (Koeppen), blieb am Rande, ein Leckerbissen für Kenner.

Frau Barnes ist darüber zur alten Dame geworden. Die seinerzeit Säumigen bekommen jetzt eine Chance zur Korrektur. Bei einer jüngeren Autorin –

Janet Frame: "Wenn Eulen schrein", aus dem Englischen von Ruth Malchow; Nannen Verlag, Hamburg; 320 S., 17,80 DM.

Eliot wäre vielleicht bereit, ähnliches von diesem Buch zu sapen, weil die Wahl des Vorwurfes und die Schreibweise beider Autorinnen einander verblüffend ähneln.

Doch der Vergleich ist durchaus nicht nachteilig für Janet Frame. Der mögliche Vorwurf, sie sei nichts als eine Parallelerscheinung zu Djuna Barnes, träfe nicht. Wie oft wurden in Wissenschaft und Forschung unabhängig voneinander dieselben Probleme angegangen! Die jeweiligen Ergebnisse behalten ihren eigenen hohen Wert für sich.

Die Fabel läßt sich nur in groben Zügen nacherzählen: Die Kinder Francie, Toby, Daphne und Chicks des Kleine-Leute-Ehepaares Bob und Amy Whiters, bei denen man von Butter wohl nur als von "guter Butter" spricht, dringen zufällig in die Welt von Grimms Märchen ein. Sie haben eine zerfledderte Grimmsche Märchensammlung auf ihrem Lieblingsspielplatz, dem Schutthaufen, gefunden. Nachdem die Autorin die Phantasie- und Poesiewelt, die sich die Kinder zurechtbauen, als Exposition gegeben hat, bricht sie die Handlung ab.

Wie werden die Kinder in der rauhen Wirklichkeit bestehen? Durch den Unfalltod von Francie, bei einem Brand im Müllhaufen, fordert diese Realität um erstenmal ihr Recht.