„Exodus“ (USA; Verleih: United Artists): Hollywoods Bibelfilme ähneln seinen Westerns; dieser Film über die Entstehung des modernen Israel wiederum gleicht aufs Haar den Bibelfilmen. Der Titel und die Landschaft inspirierten die bunten „Panavision 70 mm“-Panoramen von Kanaan ebenso wie die Untermalungsmusik, die der verstorbene DeMille noch bestellt haben könnte. Die Helden aber sind verkleidete Wildwesthelden, allen voran der tollkühne Schiffsentführer (Paul Newman), der „tut, was er tun muß“, ohne nach dem Verständnis des Bürgermädchens (Eva Marie Saint) – in den Westerns kommt sie aus dem Osten, hier aus Amerika – zu fragen. pat

„Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen“ (Frankreich; Atlas-Filmverleih): Robert Bresson ist der wohl asketischste Regisseur, den die Welt kennt. Filmend bereits seit 1934, schuf der heute 54jährige erst fünf große Werke. Bis auf sein „Tagebuch eines Landpfarrers“ sind seine Arbeiten hierzulande bislang unbekannt. Wir danken jetzt noch dem jungen, sehr um den Kunstfilm bemühten Atlas-Verleih die Begegnung mit Bressons 1950 gedrehtem Film „Un condamne à mort s’est échappé“. Das Prinzip Hoffnung, Bressons immerwährendes Thema, manifestiert sich hier mit einer Klarheit, die mathematisch zu nennen wäre, gesellte sich zur Vernunft dieses Films nicht jenes Gran Metaphysik, das sich spürbarer noch durch Bressons frühere Werke zog und ihm auch den Ruf eines Spiritualisten eintrug. – Die Geschichte des Widerstandskämpfers Fontaine, dem (einem authentischen Bericht folgend) die Flucht aus dem SS-Gefängnis Montluc bei Lyon im Jahre 1943 gelingt, weist zwar gleich allen bressonschen Geschichten auf die Notwendigkeit der Gnade hin, ist aber zugleich eine höchst konkrete Geschichte. Kraft seines unbeugsamen Bewußtseins und seiner angespannten Vernunft – jede Fluchtvorbereitung Fontaines ist dokumentarisch im Detail – stiftet der Protagonist Hoffnung noch dort, wo seine Mitgefangenen schon an Selbstmord denken. Sein unbedingter Wille zur Brüderlichkeit ist es auch, der die Flucht gelingen läßt. Am gescheiterten Fluchtversuch eines Kameraden erweist sich, daß „allein die Gnade“ nicht mehr genügt. Der Mensch ist zum bedachten Handeln aufgerufen, Gnade kommt nur mehr hinzu, ist für Bresson, den Anhänger des Thomas von Aquin, die Vollendung der Vernunft. – Bressons Stil, von Bazin als „spirituelle Sensibilität“ apostrophiert, ist seinem Thems adäquat. Die 46 Sequenzen des Films kennen nur einen weichen, langsamen Schnitt, der beim Betrachter ebensowenig Emotionen aufkommen läßt wie die Komposition jedes einzelnen Bildes, die sich mit ihren Dreiecken und Diagonalen streng dem Goldenen Schnitt unterordnet. Nur wenige Male wird der Fluß der Nah- und vor allem der Großaufnahmen von Totalen unterbrochen. Der innere Monolog Fontaines, in einer Weise parallel laufend mit dem Bild, die sich jede Ablenkung versagt und das Geschehene unterstreicht als das Tun eines bewußt Handelnden; der Einsatz des Tons, stets kontrapunktisch, und der Musik Mozarts, das Moment der Hoffnung zu Beginn des Films, das Moment der Erfüllung am Ende des Films „aussprechend“ – alles das ist die Frucht äußerster Konzentration, rpk