Sophie Laffitte: „Anton Tschechow in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“; rowohlts monographien Band 38, Rowohlt Verlag, Reinbek; 176 S., 2,20 DM.

Bei aller Sympathie gegenüber dem Dichter wahrt die Verfasserin kühle, kritische Distanz. Der Ton ist nicht überschwenglich-naiv, sondern eher prätentiös. Ein Kapitel „Schauplätze“ schildert das Leben des Dichters, läßt aber wichtige Ereignisse beiseite, um sie später in anderem Zusammenhang zu bringen. Dadurch gelingt es nicht, die Hauptlinien des Lebens in ihrem chronologischen Ablauf und ihrem kausalen Zusammenhang deutlich zu zeichnen. Auch methodisch ist manches fragwürdig.

Man weiß ja, wie sehr Tschechow den „Autobiographismus“ in seinen Werken gemieden hat. Auch die Verfasserin weiß das, bringt aber doch zahlreiche Stücke aus den Werken als autobiographische Zeugnisse. Vom „Bischof“, einem der letzten und schönsten Werke Tschechows, aber sagt sie: hier habe er sich ganz mitgeteilt. Ich glaube nicht, daß im „Bischof“ mehr von Tschechow selbst enthalten ist als in vielen anderen Werken.

Nicht sehr ergebnisreich sind die allgemeinen Charakteristiken, etwa die Einleitung, die unter dem Titel „Eine Art Stickerei auf Papier“ die literarische Eigenart Tschechows darstellen will und doch nicht recht über Gemeinplätze und halbe Wahrheiten hinauskommt. In dem Kapitel „Der Mensch“ heißt es etwa: „In Wahrheit liebte Tschechow die Menschen nicht, sondern sah in ihnen lediglich eine ästhetische Kategorie“; oder: „Weil er jenseits von Freud und Leid stand, weil sein Mitgefühl... ganz unpersönlich war, blieb ihmdie Liebe versagt“; oder: „Alles in allem ist Tschechow vielleicht mehr Weiberfeind als Menschenhasser gewesen“. Wird Tschechows Verhältnis zum Menschen mit solchen Sätzen wirklich richtig erfaßt?

Vielleicht wirken sie aber in dem zierlichen Französisch des ursprünglichen Textes anders als in der uns vorliegenden deutschen Übersetzung. – Wie alle von „rowohlts monographien“, so zeichnet sich auch dies Buch durch gute Bilder und eine nützliche Bibliographie aus.

Bescheidener in seiner Absicht, schlichter in Aufmachung und Stil ist das Buch von –

Helene Auzinger: „Anton Tschechow, Rußlands heiter-melancholischer Dichter“, ein Porträt aus seinen Briefen zum 100. Geburtstag; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 107 S., 6,80 DM.