Feuilleton

Das große Welttheater Berlin

hin — wie der „Emigrant Hans Magnus Enzensberger — von der Ostberliner Presse als Märtyrer gefeiert wurde, so mußte er auch das mit der ihm eigenen vergnügten Gelassenheit des Ur- und Erzberliners aus Breslau tragen.

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DIE ZEIT

wer....was....wo....warum...

Wer kommt jetzt! In Kürze wohl ein westliches Außenministertreffen, bei dem die Meinungsverschiedenheiten im atlantischen Lager beigelegt werden müssen, Erst danach kann der Kontakt zu den Sowjets wieder aufgenommen werden.

Bonner Erschrecken

Der erste Eindruck von dem Gespräch Kennedys mit Gromyko war für Bonn beruhigend. Kennedys Satz, Amerika werde nicht einen Apfel für einen ganzen.

Englands Entscheidung

Eine gute Nachricht, die auf dem düsteren Hintergrund dieser Tage ganz besonders aufleuchtet: England sagt ein volles Ja zu Europa.

Kennedy kämpft an drei Fronten

Die zweistündige Unterredung zwischen Kennedy und Gromyko hat nicht jene vernünftige Basis für Berlin-Verhandlungen gebracht, die von den vier westlichen Außenministern bei ihrem letzten Zusammentreffen in Washington als Ziel der Kontakt-Gespräche mit den Russen bezeichnet worden war.

Schachspiel um Frankreich

Wie weiland Archimedes zeichnet de Gaulle seine politischen Parabeln in den Sand, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß auch diese Kreise von den Stiefeln der Soldaten und Revolutionäre gestört werden: Die Entwicklung in Algerien entzieht sich nachgerade jeder vernünftigen Beeinflussung, denn es scheint, daß sie den eigenen Gesetzen des radikalen Terrors folgt.

An Macmillans Kandare

In Brighton, wo sich die britische Regierungspartei am Mittwoch zu ihrem Parteitag versammelte, hat Harold MacMillan die konservative Schießbude mit einer Überraschung eröffnet: Er hängte die Schießscheiben in eben dem Augenblick um, in dem seine ersten Kunden in Anschlag gegangen waren und den Finger am Abzug zu krümmen begannen.

Mende will sich sichern

Die Koalitionsgespräche der FDP mit den Unionparteien nehmen den erwarteten Verlauf. Über die Außen- und Verteidigungspolitik hat man sich in den wesentlichen Zügen bereits geeinigt.

„Wir bauen einen schönen Garten“

In der Nacht zum 7. Oktober kletterten drei Grenzpolizisten der DDR über einen Stacheldrahtzaun an der Sektorengrenze. Ein Transport-Polizist sprang von einem Güterzug auf Westberliner Gebiet ab.

Zeitspiegel

„Präsident Nkrumah sollte sich daran erinnern, daß die englische Königin, wenn sie Commonwealth-Ländern einen Staatsbesuch abstattet, nach altem Brauch die Führer der Opposition im Regierungssitz und nicht im Gefängnis zu begrüßen pflegt.

HANS GRESMANN ÜBER WASHINGTON:: Die Herrschaft der Eierköpfe

John Fitzgerald Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten, gilt heute in Amerika und in der Welt nicht mehr als jener strahlende, vom Glück begünstigte, erfolgreiche politische Wunderknabe, als der er allerorten während seines Siegeszuges in das Weiße Haus angesehen wurde.

Nkrumah – ein neuer Diktator?

Kwame Nkrumah, Ghanas Staatschef, hat den Führer der Opposition, Dr. J. B. Danguah, der im vergangenen Jahr sein Gegenkandidat bei der Präsidentschaftswahl war, eingesperrt.

Olympios Klage

Die alten Kolonialmächte pflegen gern und mit Stolz auf die großen Verdienste hinzuweisen, die sie sich durch Entwicklung der früheren Kolonien erworben haben.

Presse und Strafjustiz

Stiftet die Presse Schaden oder Nutzen? – Juristen aus aller Welt diskutierten in Lissabon Von Generalstaatsanwalt Ernst Buchholz

Atomwaffen für die Eidgenossen?

Die Schweiz ist das einzige Land der Welt, wo auch über Atomwaffen vom Volk abgestimmt werden muß. An sich fiele zwar die Frage der Beschaffung von Waffen durchaus in den Zuständigkeitsbereich der militärischen und politischen Führung, aber im April 1959 hatte die „Schweizerische Bewegung gegen die atomare Aufrüstung“ ein Volksbegehren für eine Verfassungsrevision eingereicht.

Dreizehn Mann und eine Frau

Am Dienstag nächster Woche wird im Kreml der XXII. Parteitag eröffnet. Es wird der größte Parteitag der bolschewistischen Geschichte sein: viertausend bis fünftausend Delegierte – je einer für zweitausend Parteimitglieder – werden daran teilnehmen.

Exportstopp auf feine Art

Die amerikanischen Behörden bremsen neuerdings den Export in den Ostblock auf eine undogmatische Art. Sie haben nicht etwa eine neue Beschränkung bekanntgegeben, sondern handhaben einfach ihr Ermessen etwas strenger.

Patriot und Proletarier

Hugh Gaitskell hat in der vergangenen Woche die Führung der Labour Party zurückgewonnen, die er vor einem Jahr verloren hatte.

Hamburg: Schutz für den Grips

Steigende Überalterung, die der Bundesrepublik statistisch gerade wieder bescheinigt wurde, wird sich demnächst besonders im Rundfunk zeigen.

Hamburg: Tödliche Amtslogik

Ich brauche dringend ein galaktosefreies Nährpräparat aus Amerika. Die Apotheke kann es nicht beschaffen, sie hat Schwierigkeiten mit der Einfuhr.

William Shirers halbe Wahrheiten

Fünf Jahre lang hat der amerikanische Journalist William Lawrence Shirer die Stöße von Akten durchwühlt, die in den Archiven des Reichsaußenministeriums gefunden worden waren.

Zum Lachen oder Weinen?

Wie bitte? Man setzt sich auf, als habe man nicht recht verstanden. Das Massenbombardement einer ganzen Stadt, die Vernichtung von Unschuldigen und Wehrlosen – welchen Sinn könnte das je haben, außer dem höchst zweifelhaften, auf solche Weise vielleicht der eigenen Vernichtung zu entgehen.

75 Jahre S. Fischer Verlag

Thomas Mann verglich Samuel Fischer einmal mit einem Dirigenten, „der seine Autoren und ihr Werk gleichsam zu einem Orchester vereinte“.

Zeitmosaik

Die Münchner Kammerspiele haben Martin Walsers erstes Bühnenstück „Der Abstecher“ zur Uraufführung angenommen. Ebenfalls für diese Spielzeit kündigte Boleslaw Barlog, Intendant des Berliner Schillertheaters, die Uraufführung eines neuen Stückes von Günter Graß an.

Bürgerkrieg im Briefkasten

Zwei öffentliche Äußerungen, die eine aus der Bundesrepublik, die andere aus der DDR, beide gleich erpresserisch, dumm und rüde, finde ich an ein und demselben Tag in meinem Briefkasten.

Die Boten

An diesem Morgen ging die Sonne nicht auf. Gegen sechs Uhr früh war noch ein Phosphorschein über Osten zu sehen gewesen. Kurz danach riß ein Schrei den Zenith auseinander, Schwärze schoß wütend herab, der Himmel erbebte.

Kleiner Kunstkalender

Am 3. Oktober dieses Jahres wäre der aus Schöningen stammende, 1959 verstorbene Maler und Graphiker Otto Rodewald 70 Jahre alt geworden.

Patente Patente

Es soll immer noch einige. alte Kämpen der Buchkritik geben, die zu besprechende Bücher auch noch lesen und manchmal sogar von der ersten Seite bis zur letzten.

Hüben und drüben: Argwohn

Ein Aufsatz über „Wunschträume deutscher Schriftsteller“, den die Münchner Zeitschrift „Die Kultur“ in ihrer Septembernummer veröffentlicht, beginnt mit den Worten: „Wer viel im Ausland herumfährt, merkt mit der Zeit, daß die deutsche, seit 1945 verfaßte Literatur heute eine ähnliche internationale Rolle spielt wie die montenegrinische vor dem Ersten Weltkrieg: So wie damals das gebildete Publikum den Namen des Dichterfürsten Njegos kannte, jedoch nicht seine Werke, so kennt man heute im Ausland Heinrich Böll.

Deutsche Literatur im Dritten Reich?

Ein Werk der Kritik kann seinen Leser durch mancherlei anziehen oder überzeugen: durch die Fülle des Mitgeteilten, durch die Schärfe der Beobachtung, durch den Glanz des Stils.

Nochmals: Bernadette Soubirous

Unsere durch und durch unheilige, ja eigentlich heillose Zeit hat einen merkwürdigen Hang, dem Geheimnis des Heiligen auf die Spur zu kommen.

Labyrinthische Muster

Der Lyriker Brust Meister, Träger des Drone-Preises, heute ein Mann von fünfzig Jahren, blieb an den Umschlagorten moderner Poesie in Deutschland bislang so gut wie unbekarnt.

Was ist eine Hexe?

das auf seinem knappen Raum in musterhaft einfacher, doch nirgend simplifizierter Weise erklärt, was es mit den Hexen auf sich hat – und zugleich: was ein handliches Sachbuch im populären Stil sein kann.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT in Wort und Bild die Beschreibung von Fischen der Tiefsee und des Aquariums, der Tropen und der Arktis, des Meeres und der Binnengewässer.

Mein Bild

Es gibt so viele malerische Erlebnisse, diesich mir seit den ersten starken Eindrücken der Kindertage erhalten haben, daß es schwerfällt, die verlangte betonte Wahl zu treffen.

Mit geschlossenem Visier

Auf dem Olymp, dort wo die deutschen Klassiker thronen, gibt es zweierlei Quartiere. In dem einen sitzen die seligen Kant und Goethe und Schiller auf goldenen Stühlen und leben üppig von wissenschaftlichen Ausgaben und vielen festlichen Kant- und Goethe- und Schiller-Zitaten, die ihnen in Fülle gespendet werden – obwohl man nicht ganz genau weiß, wie ihnen das Abgegriffene bekommt.

Früchte des Tschechow-Jubiläums

Anton Tschechow ist im Juli 1904 in Badenweiler gestorben. Vier Jahre später wurde ihm hier ein Denkmal aus Erz gesetzt. Während des Ersten Weltkrieges wurde es wieder eingeschmolzen und vielleicht – welch tragische Ironie! – in der Form einer Granate in das Land befördert, aus dem der Dichter zu uns gekommen war.

Unersetzt – unersetzlich?

Sechs Jahre nach der Errichtung des Eisernen Vorhangs ist es angebracht, endlich einmal die Frage aufzuwerfen, welcher westdeutschen Stadt die Rolle der einstweiligen literarischen Hauptstadt zufallen könnte und was dafür zu tun wäre.

Die Wahrheit und die Damen

So hat es den Urgroßneffen der Desiree Bernadotte, Stammutter des schwedischen Königshauses, nicht ruhen lassen, daß Annemarie Selinko ihren Bestseller unter großzügiger Umbildung der tatsächlichen Charaktere und Ereignisse verfaßt hat.

Ein Riß geht durch die Welt

Er möchte den Leser auf große Stilvollendung vorbereiten, schreibt T. S. Eliot 1937 zu Djuna Barnes’ Roman „Nachtgewächs“, „auf Schönheit des Ausdrucks, Brillanz und Geist in der Charakterisierung und den Geschmack von Grauen und Untergang.

7. Oktober, das Hörspiel:: „Die drei Schwestern”

Rußland im vorigen Jahrhundert: Drei elternlose Schwestern – 20 bis 28 Jahre alt – und ihr älterer Bruder verzehren sich in einem unbedeutenden Garnisonsstädtchen vor Sehnsucht nach „großem und erfülltem Leben“ im unerreichbaren Moskau.

Film

„Exodus“ (USA; Verleih: United Artists): Hollywoods Bibelfilme ähneln seinen Westerns; dieser Film über die Entstehung des modernen Israel wiederum gleicht aufs Haar den Bibelfilmen.

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