Von Sigmund Chabrowski

Sie wollen sich tatsächlich ein Fertighaus bauen? Gar ein Holzhaus?“ Ein mitleidiges, ungläubiges Lächeln ziert das Gesicht des Fragers. Wie kann man nur? Da hatte sich doch erst neulich ein weithin anerkannter Baufachmann recht kritisch über das Fertighaus ausgelassen. Und der muß es doch wissen, nachdem er sich auf Grund von Forschungsaufträgen „wissenschaftlich“ mit der Problematik des Fertighauses zu beschäftigen hatte.

Was hatte Professor Dr. Triebel‚ Leiter des Instituts für Bauforschung in Hannover, doch gleich herausgefunden? Ach ja, er sprach von der Gefahr der „inneren Monotonie“. Wie schrecklich – diese Uniformität der „Fertigbehelfsheime“, die da neuerdings gar in den Kaufhäusern angeboten werden. Nein, ein Fertighaus kann für einen Wirtschaftswunderbürger, der etwas auf sich hält, nicht in Frage kommen. Man ist doch Individualist!

Und dann die vielen anderen Nachteile, von denen immer wieder zu lesen und zu hören ist: die Fertigteile seien beim Transport empfindlicher als die traditionellen, kleinformatigen Baustoffe; es sei bislang auch noch nicht erwiesen, daß die Kosten von Montagebauten wesentlich geringer wären als die Kosten anderer rationell ausgeführt Bauten; die Instandhaltungskosten seien schließlich auf jeden Fall höher als bei den herkömmlichen Massivbauten, von der Lebensdauer schon ganz zu schweigen, die kürzer sei als die konservativer Bauten.

Wer sich dann noch nicht mit Grausen von seinem Fertighausprojekt abwendet, der muß sich noch auf die erhöhte Feuersgefahr und demgemäß höhere Versicherungsprämien hinweisen lassen, auf den möglichen Befall mit tierischen und pflanzlichen Schäden (der böse Holzwurm), ferner auf die mangelnden Erfahrungen über die Isolierung und Schalldämpfung, sowie schließlich auf die Schwierigkeiten der Fugenbehandlung, da der entwickelte dauerplastische Kitt den Bestand seiner ihm zugeschriebenen Eigenschaften. noch beweisen müsse.

Diese Argumente reichen in der Regel aus, auch den letzten Fertighaus-Aspiranten umzuverfen. Wenn nicht, brauchen nur noch die Beleihungsschwierigkeiten ins Feld geführt zu werden. Eigentlich ist das Fertighaus gar keine echte Immobilie, so heißt es, weil hier oft die Verbindung der tragenden Elemente des Hauses mit dem Fundament und die des Fundamentes mit dem Boden zu wünschen übrig läßt. Der Realkredit habe aber bei der Beleihung davon auszugehen, daß das Fertighaus nach seiner Errichtung „wesentlicher und damit sonderrechtsunfähiger Bestandteil des Grundstückes wird“. Also schwierigere Hypothekenbeschaffung; wahrlich, der Fertighausbau ist keine wahre Lust.

Kein Wunder, daß angesichts einer solch massiven Gegenpropaganda das Fertighaus in der Bundesrepublik nicht so recht Fuß fassen kann. Im Jahre 1960 hatten beispielsweise zehn der 14 öffentlichen Bausparkassen ganze 270, Fertighäuser (185 in 1959) beliehen. Das Fertighaus ist also in den bundesdeutschen Landen immer noch eine große Seltenheit, ganz im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern, zu Frankreich und den USA.