C. L., Accra, im Oktober

Kwame Nkrumah, Ghanas Staatschef, hat den Führer der Opposition, Dr. J. B. Danguah, der im vergangenen Jahr sein Gegenkandidat bei der Präsidentschaftswahl war, eingesperrt. Annähernd fünfzig weitere führende Mitglieder der Oppositionspartei wurden von ihm ebenfalls hinter Schloß und Riegel gesetzt, ohne daß sie zuvor dem Richter vorgeführt wurden. Zu diesen Verhaftungen kam noch die Entlassung des britischen Oberbefehlshabers Alexander und des Finanzministers K. A. Gbedamah, die im Westen ebenfalls Bestürzung auslöste. Sind diese Maßnahmen auf einen Einfluß der Kommunisten zurückzuführen? Geht Kwame Nkrumah allmählich in das Lager des Ostblocks über?

Die Krise begann vor zwei Jahren, als Nkrumah anläßlich der Zehn-Jahres-Feier seiner Partei, der Convention People’s Party, sein neues Programm verkündete. Seine Parolen hießen damals: Ökonomische Revolution“ und „Demokratischer Zentralismus“ – das heißt die Einheit von Staat und Partei. Mit ihnen wollte der Präsident die „politische Revolution“ Ghanas fortsetzen. Diese Thesen klangen in westlichen Ohren ketzerisch. Und doch stammten sie nicht aus Moskau. In allen afrikanischen Staaten ist das Bedürfnis stark, autoritär zu regieren, wie in Guinea mit der „gelenkten Demokratie“ Sekou Tourés und wie in Ghana mit Nkrumahs „demokratischem Zentralismus“.

In Nkrumahs Partei gibt es drei Strömungen, einen gemäßigten rechten Flügel unter der Führung des ehemaligen Finanzministers Gbedamah, eine kleine Gruppe Linksradikaler, die antiwestlich und antibritisch sind, aber nicht nach Moskau blicken. Zwischen diesen Flügeln stehen die Sozialisten unter Nkrumah, die von beiden Seiten immer wieder unter Beschuß genommen werden.

Vor allem den militanten Linken paßte es nicht, daß der Präsident – ihr „Erlöser“ und „Vater der Nation“ – Geschäfte mit amerikanischen und britischen Geldgebern abschloß und es sogar fertig brachte, in einer seiner letzten Parlamentsreden dem US-Präsidenten seine Reverenz zu erweisen.

Als dann Nkrumah sogar so weit ging, die Steuern hochzuschrauben, um sein Budget zu entlasten und damit seinen Plan der „Wirtschaftsrevolution“ durchzusetzen, streikten zum erstenmal die Arbeiter. Gerade sie trafen die neuen Abgaben, mit denen die Preise in die Höhe getrieben wurden, am stärksten.

Zu diesen innenpolitischen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen, die das Standbild des Osagyefo – des „siegreichen Führers“ Nkrumah – ins Wanken brachte, kamen die außenpolitischen Differenzen. Nicht allein die These des ghanesischen Staatschefs vom „afrikanischen Marxismus“ machte den Westen hellhörig. Es waren auch seine ständigen Versuche, seine Position als Führer eines bündnisfreien Landes zwischen den Fronten des Kalten Krieges auszubauen. Und schon waren im westlichen Ausland die Kritiker auf dem Plan, die behaupteten: Kwame Nkrumah ist nur ein afrikanischer Fidel Castro!