53 Bösekendorfer gingen nachts über die Grenze

Duderstadt/Friedland

Die Straße, die von Duderstadt in den thüringischen Ort Bösekendorf führt, ist hinter dem Dorf Immingerode allenfalls noch als Feldweg zu bezeichnen. Der Schlamm spritzt am Wagen hoch.

Am Wegrand steht das Schild: "Durchfahrt verboten". Ich gehe zu Fuß weiter. Die ersten Häuser von Blekendorf liegen vor mir: Links ein großer Hof aus rotem Backstein, rechts ein kleineres Gehöft. Auf der Straße, die geradewegs darauf zuführt, wuchern Gras und Unkraut.

Man brauchte nur 250 Meter weiter zu gehen und wäre im Dorf. Aber wer weiter gehen wollte, müßte zuerst durch einen Graben, sodann über einen Stacheldrahtzaun. Bösekendorf liegtin der Sowjetzone. –

Es ist kalt und windig. Die Menschen, die vor der Stacheldrahtgrenze stehen, frösteln, "Im ersten Haus auf der linken Seite haben sie sich getroffen, am Abend kurz nach sieben. Auf dem Pferdegespann saßen die Kinder und einige Frauen. Drumherum stellten sie ihr Gepäck als Kugelfang. Als es dunkel war, zogen die 53 Menschen durch die Gartenpforte in die Felder hinaus. Dem Pferd hatten sie Lappen um die Hufe gewickelt. An der Leine, die sie am Wagen befestigt hatten, hielten sich die Männer fest, damit keiner in der Dunkelheit vom Weg abkam..."

Ballade Anno 1961