Die alten Kolonialmächte pflegen gern und mit Stolz auf die großen Verdienste hinzuweisen, die sie sich durch Entwicklung der früheren Kolonien erworben haben. Wären wir nicht gewesen, so heißt es oft, die Leute hätten heute noch keine modernen Häfen, Straßen, Telephonanlagen... Dabei aber wird vergessen, daß die Kolonien gewöhnlich als Komplementärgrößen zum Mutterland entwickelt wurden und nicht als selbständige Einheiten. Was bedeutet, daß zahllose Verbindungen von allen Teilen Afrikas nach Paris, London, Lissabon, Brüssel gingen – so als hingen alle diese Gebiete wie Marionetten an langen Fäden –, daß aber die heute selbständigen afrikanischen Staaten untereinander total isoliert blieben.

Sylvanus Olympio, der Präsident von Togo, ein ruhiger, überlegter, keineswegs antiwestlich eingestellter Staatsmann, hat in der Oktoberausgabe von Foreign Affairs unter dem Titel „Afrikanische Probleme und der Kalte Krieg“ einen Beitrag geschrieben, der gerade zu diesem Problem ein paar schlagende Beispiele liefert. Olympio sagt nämlich:

„Obgleich ich hier von meinem Büro in Lomé (Togo) aus Paris anrufen kann, ist es unmöglich, mit dem 400 km entfernten Lagos (Nigeria) zu telephonieren. Während ein Luftpostbrief von Togo nach Frankreich in kürzester Frist befördert wird, braucht derselbe Brief mehrere Tage, um das nur 200 Kilometer entfernte nachbarliche Ghana zu erreichen.“ Grund: Togo stand unter französischer Treuhandschaft, Nigeria und Ghana waren englische Kolonien.

Olympio fährt fort: „Nichts verbindet Nationen so sehr wie ein intensiver Handel. Aber in Afrika gibt es ungezählte Handelsbarrieren. Eisenbahnen enden gewöhnlich an den von den Kolonialmächten willkürlich gezogenen Grenzen; ist dies zufällig einmal nicht der Fall, müssen die Güter – der verschiedenen Spurweite wegen – umgeladen werden. Alle Straßen gehen von der Küste landeinwärts, die großen Handelszentren untereinander sind fast nie verbunden. Die Produktionszentren von Togo, Dahomey und Ghana (die beiden Nachbarn Togos) sind einander so fern, als lägen sie auf verschiedenen Kontinenten.“ D.