Per fumum – durch den Rauch, das ist die Herkunft des Wortes Parfüm. In den Ländern des Islams schwingt man heute noch das rauchende Kesselchen in die Falten des Gewandes und unter das Gewand, wenn ein Gast fortwandert, um seine Haut zu tränken, zu imprägnieren mit der Erinnerung an Ambra und Sandelholz, an paradiesische Düfte. Die ägyptische Königin Hatschepsut sandte eine Expedition in das Weihrauchland an der Westküste des Roten Meeres, um von dort Zimtholz, Myrrhenharz und Weihrauchbäume in Kübeln nach Theben bringen zu lassen, denn Weihrauch war ihr Lieblingsduft. Die indische Weisheit, nach Vollkommenheit strebend, stieg schon vor Jahrtausenden wie ein Phönix aus der Asche des verbrannten Aloeholzes, und die stillen Meditationen der Chinesen wurden stimuliert durch die blauen Fädchen der Räucherkerzen ...

Es gleicht einem Ritus schwarzer Magie, wenn eine moderne Schöne unter der Wäsche ihr Parfüm „anzieht“, indem sie den geliebten Duft gleichmäßig fein über den Körper versprüht, als erstes Kleid, noch unter der hauchdünnen Wäsche. Sie darf das Haar nicht vergessen, das lockige Vlies, das seit Simson der Sitz der Lebenskraft ist. Die moderne Frau weiß nichts mehr von den alten Geheimnissen, aber sie hat sie im Blut. Ihr unfehlbarer Instinkt wird ihr dazu raten, bei der Sprühaktion am Morgen nur ein parfümgetränktes Eau de Cologne zu nehmen.

Das Parfüm wird erst nach vollendetem Ankleiden und make-up als Akzent auf das Kunstwerk ihrer Erscheinung gesetzt, vielleicht auch erst nachmittags oder abends. Jedoch, kein Tropfen eines der starken, teuren Destillate darf das Kleid berühren, da Chemie und Textilien einander gram sind wie feindliche Brüder, höchstens ein Tropfen auf den inneren Kleidsaum darf gewagt werden. Pelze dagegen nehmen artverwandte Gerüche gut auf und entwickeln sie zu größerem Volumen, dunkle Arten besser noch als helle, und versierte Parfümliebhaberinnen benutzen die speziellen Pelzkompositionen wie „Zibeline“ oder „Antilope“.

Statt der einfachen Zerstäuber von früher gibt es jetzt die Atomizer mit den winzigen Düsen, die bei geringem Verbrauch des kostbaren Stoffes die größtmögliche Hautfläche erreichen. Das Atomisieren hat von wissender Hand zu geschehen, die von Aphrodite gelenkt wird. Es finden sich Partien mit sehr dünner Haut, unter denen das Blut oftmals sichtbar pulsiert und die flüchtige Substanz erwärmt und günstig zum Verströmen anregt: Vor dem Ohr, nicht dahinter, weil winzige Fettdrüsen das chemische Wunder zerstörend verändern können, oder an den Schläfen, wo die kleine blaue Ader bei Feinhäutigen sichtbar zuckt, an den Handgelenken, in der Ellenbeuge, in der Kniekehle. Vom „Arpège“ der Lanvin, diesem wahrhaft königlichen Gemisch, wird behauptet, die Pariserin benetze damit nur die Fingerspitzen und sei doch von Kopf bis Fuß in eine Wolke von Wohlgeruch gehüllt. Zum Atomisieren gibt es für Arpege einen Extra-Atomizer, und man nimmt selbstverständlich das Eau de Cologne des Parfüms für das erste Kleid unter Mieder, Wäsche und Kleid, und nicht den starken Extrakt selbst.

Die Vornehmen der Alten Welt haben in einem sehr guten Geruch gestanden. Europa wurde dieser Kultur erst teilhaftig, als die Kreuzritter reizende Fläschchen in Filigrandraht als Souvenir mitbrachten und ihre Angebeteten mit konzentriertem Rosenöl aus Schiras beschenkten. Katharina von Medici brachte dann im 16. Jahrhundert die raffinierte Kunst des Parfümierens von Italien nach Frankreich.

Josephine Beauharnais liebte den Moschusduft dermaßen, daß Napoleon, als er sie im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr riechen konnte, kurzerhand alle Möbel aus Malmaison hinauswarf und sogar die Wände neu kalken ließ – vergeblich, der Duft saß trauernd mit der alten Liebe im Gemäuer. Den schweren „Moschus“ oder „Bisam“, heute nur noch als Fixateur der Parfümmischungen verwendet und überaus teuer und selten, verschwendete man noch im Directoire und Empire, und sogar die zarte blonde Luise von Preußen parfümierte sich so stark damit, daß der Zar Alexander von der Diskrepanz zwischen blonder Schönheit und dunklem Duft verwirrt wurde und sich in sie verliebte.

Es gibt bei den Parfümeuren ein strenges Reglement von blonden und brünetten Düften, aber es bleibt ein Rest von unlösbarem Geheimnis zurück: die Vermählung der Duftstoffe mit der Chemie der Haut, denn es gibt schlechte und gute „Duftträger“. Die feinen Blumendüfte sind im allgemeinen den Blondinen bestimmt, auch Blätter, Moos, Heu, Melisse und andere Kräuter, während Tuberosen, Gardenien, Jasmin, Narzissen, Ylang-Ylang-Blätter sowie auch Moschus, Ambra, Zibet, Weihrauch und edle Hölzer den Dunkelhäutigen dienen, neben Pfeffer, Tabak, Juchten und anderen Ledersorten.

Es ist gut, vom Parfüm sachgemäß zu wissen: Man soll niemals ein Parfüm ohne Verpackung kaufen, vielmehr es stets in der Verpackung oder im Schrank lassen, da die infraroten Strahlen seinen typischen Charakter zerstören und den Duft töten. Und bitte nicht zu stark dosieren, sonst geben wir den Puritanern recht, die 1770 in London jegliches Parfümieren verboten und alle Ehen für ungültig erklärten, bei denen der Mann „benebelt“ worden war! Noch eins: Über das parfümierte Handgelenk hinhauchen – das Medium tritt strahlend zutage!