Angola ist Portugal“, so steht es auf vielen Plakaten überall in Lissabon: in Taxen, in Tavernen und den Werkstätten der Handwerker. In der Angola-Frage ist das portugiesische Volk einig: das afrikanische Land, so heißt es, muß Portugal erhalten bleiben.

Auch in den Kongreß der Association Internationale de Droit Pénal, den Internationalen Strafrechtskongreß, der Ende September in Lissabon tagte, wirkte die Angola-Frage hinein. Die Juristen der jungen afrikanischen Negerstaaten waren dem Kongreß ferngeblieben. Nur die Elfenbeinküste war durch Justizminister Boni vertreten, der versicherte, daß er sich gegenüber den anderen afrikanischen Staaten französischer Sprache zum Sprecher des Kongresses machen wolle. Die Juristen des Ostblocks – vor allem Russen und Polen, vor vier Jahren in Athen stark vertreten – fehlten ebenfalls.

Aus der Sowjetzone war diesmal niemand gekommen. Dafür stellte die Bundesrepublik mit mehr als vierzig Juristen – Ministerialbeamten, Justizminister Schäffer an der Spitze, Strafrechtslehrern, Richtern und Staatswanwälten – die stärkste Delegation, die an Zahl selbst diejenige der portugiesischen Gastgeber übertraf. Als der Justizminister Portugals, Professor João de Matos Antunes Varela, den Kongreß im Gebäude der juristischen Fakultät der Cidade Universitario, der noch unvollendeten neuen Lissaboner Universitätsstadt, eröffnete, waren 250 Juristen aus 38 Nationen versammelt.

Ziel der Beratungen: die strafrechtlichen Grundsätze auf einigen besonders wichtigen Gebieten mit der Wirklichkeit der modernen Welt in Einklang zu bringen, um bei den nationalen Gesetzgebern Reformen anregen zu können. Zwei aktuelle Fragen waren es vor allem, die diesen internationalen Strafrechtskongreß beschäftigten: die Auswirkungen der technischen Entwicklung auf die Strafrechtspflege mit der unablässig wachsenden Bedeutung der Fahrlässigkeitsdelikte, durch die auch der ordentliche Bürger unabsichtlich Katastrophen verursachen kann, und ferner jene Probleme, die sich aus der wachsenden Publizität von Verbrechen und Strafverfolgung ergeben.

Mit diesem zweiten Fragenkomplex, auf den ich meinen Bericht beschränke, stand die – nicht anwesende – Presse mit ihrer Kriminal- und Gerichtsberichterstattung im Brennpunkt lebhafter Diskussionen. Es ging um die Fragen:

Können die ausführlichen Berichte der Presse über Verbrechen und Vergehen nicht der öffentlichen Moral schaden und anfällige Personen zur Nachahmung reizen?

Kann die Veröffentlichung der Verdachtsmomente für eine Straftat zur Unzeit nicht die polizeilichen oder staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen stören und gefährden?