RH-Hamburg

Steigende Überalterung, die der Bundesrepublik statistisch gerade wieder bescheinigt wurde, wird sich demnächst besonders im Rundfunk zeigen. Durften bisher Kinder, in den Studios ungestört spielen – Rollen spielen – jetzt wird es Ernst mit dem Spiel: unter der neuerdings energischen schützenden Hand des Staates darf das nicht mehr sein wie bisher.

Was herrschten aber auch für Zustände! Es genügte, einmal jährlich dem Gewerbeaufsichtsamt eine Liste mit den Namen der Unter-Sechzehnjährigen einzureichen, die im Funk manchmal mitmachen durften. Und nur die Eltern konnten den Darstellern den Spaß verbieten, falls es vielleicht mit den Leistungen in der Schule ebenso bergab ging wie mit denen im Rundfunk bergauf.

Seit neuestem gibt es aber jetzt eine „generelle Regelung“. So sieht sie aus: Nicht länger als drei Stunden nacheinander darf ein Kind im Radio wirken – die Pausen mitgerechnet. Dann ist Schluß für den Tag. Falls es länger als einen Tag dauert, die Sendung fertigzustellen, dürfen die Kinder auch wiederkommen – jeweils wieder für drei Stunden, öfter als viermal die Woche jedoch ist es verboten. Ob also einmal oder viermal die Woche – nach diesen Strapazen – so sagt die „Regelung“, muß das Kind vierzehn Tage ausruhen, bevor es wieder beschäftigt werden darf. So gut schont man die Jugend.

Es tat weh, just aus dem Rundfunk nun hören zu müssen, wie schutzlos noch unsere Dorfjugend ist: Munter und mitteilsam sprach da ein Bauer ins Mikrophon, der eben dabei war, aus seinem Boden Kartoffeln zu roden. Um ihn herum rutschten seine kleinen Landarbeiter durch die Furchen – Helfer von dreizehn und vierzehn Jahren. Seit zwei Wochen, sagten die Jungs, hätten sie schon Kartoffeln geerntet, fünf Stunden täglich für eine Mark achtzig die Stunde. Es wäre ganz prima – und für das Geld würden sie sich etwas kaufen! „Was denn?“ fragte der Reporter des Rundfunks. „Was zum Anziehen“, sagte ein Junge.

Schon gehen in der Schule die Verhandlungen vor sich, erzählten die Jungen, zu welchem lauern sie gehen könnten, wenn Krögers Kartoffeln nun raus sind. „Da findet sich noch massenhaft Arbeit!“ Und niemand schützt diese Jugend vor ihrem einträglichen Spaß.

Das macht der Unterschied zwischen dem Arbeiter der Stirn und der Faust. Aber Schutz für den Grips geht jetzt vor! Und das ist der Fortschritt.