Sport als Kult im alten Mexiko

Von Adolf Metzner

Unter den indianischen Gauklern, die Hernando Cortez bei seiner Reise im Jahre 1528 von Mexiko nach Spanien als exotische Raritäten mitführte, waren auch aztekische Ballspieler. Der Augsburger Goldschmied Christoph Weiditz, der damals in der Residenz Karls V. weilte, hielt in seinem Skizzenbuch die Szene fest, als die Indianer das merkwürdige Ballspiel vorführten. Sie trugen als Kleidung eine Art kurzer Hose aus derbem Leder und Bandagen an den Händen. Es ergötzte die Hofgesellschaft sehr, als sich die langmähnigen „Wilden“ den Gummiball mit einer komisch wirkenden Hüftbewegung gegenseitig zuspielten.

Weiditz schreibt, daß die Indianer mit einem „aufgeblassen bal mit dem Hintern gespielt hätten. Andere zeitgenössische Beobachter meinen allerdings, daß sie einen massiven Kautschukball benutzten. Die artistische Geschicklichkeit der Indianer, deren Hände den Ball nicht berührten und nur zum Abstützen auf dem Boden dienten, wurde sehr bestaunt, der tiefe kultische Sinn des Spiels aber nicht begriffen.

Als Cortez mit seinem Häuflein verwegener Desperados den tollkühnen Marsch von der Golfküste hinauf nach dem legendären Tenochtitlan unternahm, traf er zum ersten Male auch auf jene Ballspielplätze, die fast zu jedem altamerikanischen Sakralbezirk gehörten.

Aber nicht nur die Azteken, auch die Olmeken, Tolteken, Mixteken, Zapoteken, Totonaken und vor allem die Mayas kannten und pflegten das kultische Ballspiel. Die Archäologen fanden allerorts Spielplätze; im Mayabereich sind über vierzig freigelegt worden. In der ehemals prächtigen Stadt Kaminaljuyu im Hochland von Guatemala gab es allein 13 Ballspielplätze. Alle weisen die gleiche Form auf: Von oben gesehen ähneln sie einer römischen Eins. Sie wurden von Mauern umschlossen, die wahrscheinlich dazu dienten, mit Abprall oder „bande“ zu spielen.

Basketball – ein Indianerspiel