BOCHUM (Schauspielhaus):

„König Johann“ von Shakespeare

Die Eröffnungsinszenierung der Bochumer Bühne hatte sich wenige Tage nach der Premiere in Berlin zu bewähren. Weil dieses Königsdrama jahrzehntelang in Deutschland überhaupt nicht gespielt worden ist, war „König Johann“ als Gastspiel von der Berliner Festwochenleitung gleichsam blind gebucht worden. Auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm wurde es ein doppelter „Sieg“: für Shakespeare und für den regieführenden Bochumer Generalintendanten Hans Schalla. Der Kurier prophezeit: „Die deutschen Bühnen dürften nun häufiger auf dieses Königsdrama zurückgreifen.“ Im Tagesspiegel bestätigt Walter Karsch dem Regisseur: „Seine Inszenierung ist farbig, temperamentvoll und doch ... in der Behandlung des Wortes präzis.“ Der Telegraf lobt an den beiden Hauptdarstellern Manfred Heidmann (König Johann) und Hubert Suschka (Bastard Philipp), daß sie aus heutigem Holze geschnitzt seien. Darüber hinaus „zeugte eine Reihe guter Sprecher für das Niveau des Ensembles“, obwohl „dieses verfrostete Sprechen“ nach dem Urteil des Kurier „die Gefahr des Geometrisch-Schematischen“ heraufbeschworen habe, das durch die Bühnenbilder von Max Fritzsche unterstützt wurde.

FRANKFURT AM MAIN (Großes Haus):

„Jenufa“ von Janaček

Der neue Frankfurter Generalmusikdirektor Lovro von Matacic wählte für seine erste Einstudierung eine tschechische Oper, deren sprachmusikalische Eigenart dem jugoslawischen Dirigenten besonders vertraut ist. Matacics eingehende Arbeit mit den Sängern führte zu einem riesigen Premierenerfolg, wobei der Dirigent vom Publikum betont gefeiert wurde. Die beiden gesangsdramatischen Mittelpunktleistungen waren Anny Schlemm (Jenufa) und Christi Goltz (Küsterin) zu danken. Auf ihre ansehnlichen Stimmittel beschränkten sich Ernst Koczub (Stewa) und Gerald McKee (Laca), zumal Erich Witte, Frankfurts neuer Oberspielleiter der Oper und selber Tenor, mit Dekorationen von Stefan Hlawa einem konventionellen Inszenierungsstil zuneigt.

HANNOVER (Landestheater):