Sechs Jahre nach der Errichtung des Eisernen Vorhangs ist es angebracht, endlich einmal die Frage aufzuwerfen, welcher westdeutschen Stadt die Rolle der einstweiligen literarischen Hauptstadt zufallen könnte und was dafür zu tun wäre. Aber die Dringlichkeit dieser Frage scheint noch gar nicht erkannt zu sein. So wenig man sich irgendwo in der Bundesrepublik ernstlich um die Konzentration des graphischen Gewerbes bekümmert, durch die einst Leipzig seinen Rang als wichtigste deutsche Buchstadt erhielt, so wenig hat Berlin auch nur eine Stellvertretung als Stadt der maßgeblichen literarischen Urteilsbildung gefunden. BP.