Die Pariser Börse hat sich durch ihre Geschäftslosigkeit, und ein damit verbundenes Abgleiten der Kurse, gegen politische Einflüsse aller Art weitgehend abgekapselt. Die große Zeit der Veröffentlichung von Geschäftsabschlüssen mit anschließender Generalversammlung ist vorbei. Von dieser Seite kommen zur Zeit wenig neue Anregungen. Große Geldflüssigkeit besteht nach wie vor. Von privater Seite werden keine Wertpapiere verkauft. Aber es werden auch keine neuen Engagements eingegangen, es sei denn, daß zur Abrundung vorhandener Bestände Bezugsrechte erworben oder kleine Käufe am Kassamarkt getätigt werden. Andererseits hat die amtliche Statistik für die letzte Monatsliquidation ergeben, daß sich am offiziellen Terminmarkt die Situation der Leerverkäufe stark erhöhte, während ein nicht unbeträchtlicher Abbau der Hausseengagements erfolgte. In der Kulisse dagegen sind beide Positionen ungefähr in gleichem Verhältnis verringert worden. Es ergibt sich also, daß die Baissiers mit einer längeren Börsenstagnation rechnen und es nicht eilig haben, sich einzudecken. Ganz sicher scheinen sie sich jedoch nicht zu fühlen. Infolgedessen ist zu beobachten, daß die Berufsspekulation immer wieder zu kurzfristigen kleinen Baissevorstößen einsetzt, die bei jeder Gelegenheit mit geringen Gewinnen wieder glattgestellt werden. So ergeben sich Schwankungen in der Kursbildung, ohne daß sich der Gesamtindex (auf längere Sicht betrachtet) wesentlich änderte.

Verschiedene Umstände mahnen die Baissespekulation zur Vorsicht. Da ist zunächst die anhaltend große Geldflüssigkeit. Sicherlich werden die Abschlüsse für das Jahr 1961 günstig ausfallen. Ferner steht die große Börsenreform bevor, mit dem Zweck, die Börse als Instrument der Industriefinanzierung wirksamer zu machen.

Schließlich ist auch eine Aufhellung des politischen Horizontes möglich. Dieser Umschwung scheint in der Tat einzutreten. Es sieht ganz so aus, als ob sich eine Lösung des Algerien-Problems am Horizont abzeichnet. Infolgedessen beginnen sich die Erdölwerte der Sahara und nordafrikanische Minen zu erholen. Im Durchschnitt haben sie von ihren tiefsten Kursen bereits 10 bis 15 vH eingeholt, wovon ein nicht beträchtlicher Teil auf überstürzte Eindeckungen der Baissespekulation zurückzuführen ist. Gleichzeitig aber erweitern sich die Märkte; neue Käuferschichten sind im Begriff einzusteigen. RETLAW