M. Z.: „Weltflughafen um jeden Preis“, ZEIT Nr. 38

Sie schrieben, daß „dem amerikanischen Sachverständigen Professor Beranek zufolge, ein Fluglärm von 106 Phon zumutbar ist“. Ich möchte gerne den Sinn dieser Feststellung näher erläutern.

Ich berate seit vielen Jahren die Port of New York Authority in Lärmfragen in der Nähe ihrer Flugplätze. New York verlangt von den Düsenflugzeugen, so zu fliegen, daß der erzeugte Spitzenlärmpegel in Wohngegenden 112 Perceived Noise Decibels (PNdb) im Freien nicht überschreitet. Der Spitzenlärmpegel ist die größte Lautstärke, die etwa dann erreicht wird, wenn das Flugzeug über dem Beobachtungsort ist. Vorher und nachher ist der Lärm geringer. Ich kenne keine Vorschrift, die als Kriterium 106 Phon benutzt. Tatsächlich bedeuten 112 PNdb für ein Düsenflugzeug vom Typ Boeing 707, daß der momentane Spitzenlärm 99 Phon nicht überschreiten kann. Die Port Authority erlaubt Düsenflugzeugen nicht, in der Zeit von 23 Uhr bis 7 Uhr über Wohngegenden zu starten.

Lärmpegel zwischen 50 und 60 DIN Phon, die in der deutschen Literatur erwähnt werden, beziehen sich auf Dauergeräusche, wie sie von Fabriken, Motorenprüfständen und durch Warmlaufen von Flugzeugen erzeugt werden. Dauergeräusche können nicht mit momentanem Spitzenlärm tieffliegender Flugzeuge verglichen werden.

Es ist gewiß jedermann klar, daß es in der Nähe von Flugplätzen Lärm gibt. Die für New York gültige Grenze von 112 PNdb im Freien bedeutet, daß der Fluglärm innerhalb von Gebäuden Unterhaltung, Telephonieren und Fernsehen nicht stört.

Leo L. Beranek, D. Sc., Cambridge/USA