Das Fußball-Länderspiel Bundesrepublik gegen Polen, das in Warschau einen deutschen 2 : 0-Sieg brachte, wurde von unseren Sportjournalisten boykottiert. Die Kollegen von Rundfunk und Fernsehen erklärten sich solidarisch.

Der Grund: 35 deutsche Journalisten beantragten rechtzeitig die Einreisepapiere, aber nur 15 erhielten sie. Als die deutsche Sportpresse und auch Sportbund-Präsident Daume telefonisch in Warschau vorstellig wurden, wollten die polnischen Behörden noch weitere 6 Reporter hereinlassen, aber nicht mehr. Salamitaktik einmal umgekehrt! Aber die bundesdeutschen Journalisten begnügten sich nicht mit der zugegebenen Extra-Scheibe. Sie beschlossen, über das Spiel nicht bzw. nur in wenigen Zeilen zu berichten. Es wurde auf Präzedenzfälle verwiesen, bei denen die Sportpresse anderer westeuropäischer Länder genauso reagiert hatte.

35 Reporter seien einfach zu viel, sagen demgegenüber die Polen, beim Vorspiel in Hamburg hätten zwei polnische Reporter genügt. Die Leidtragenden bei der ganzen Geschichte sind die fußballbegeisterten deutschen Zeitungsleser, Rundfunkhörer und Fernseher! Die Aktion zielte also scheinbar auch nach der verkehrten Richtung. Aber die Presseleute waren darüber verärgert, daß der Deutsche Fußballbund das Spiel nicht kurzerhand abgesagt hatte. Wahrscheinlich hätte eine solch harte Haltung die verweigerten 14 Visa so rasch herbeigezaubert, daß auch die deutsche Mannschaft am Sonnabend noch rechtzeitig in Warschau angekommen wäre. Übrigens: das Zonen-Fernsehen übertrug das Spiel als „Aufzeichnung“. -er

Die Leichtathleten haben den letzten Länderkampf des Jahres in Augsburg gegen die Ungarn sicher mit 27 Punkten Vorsprung gewonnen. Große Stars fehlen zur Zeit in der deutschen Mannschaft, aber neue Namen schieben sich in den Vordergrund. Ein Weltklasse-Sprinter reift in Hebauf heran. Der Hammerwerfer Fahsl rückt immer mehr an die Weltelite heran. Nur Reimers, der Riese, besitzt das Erbübel der deutschen Diskuswerfer mit Überlänge. Vor der Konkurrenz gelingen ihm herrliche Würfe, steht er dann, wenn’s drauf ankommt, einsam im Ring, verlassen ihn die guten Geister, und mit ihnen der Kampfnerv. Für die hünenhaften Werfer ist der Ring mit seinen 2,50 Meter Durchmesser einfach zu klein, so daß sie gar zu leicht nervös werden und versagen. Urbachs neuer Kugelstoßrekord mit 18,08 Meter beweist ebenfalls eine aufsteigende Tendenz in dieser Übung, die einmal eine deutsche Domäne war. Aber volle zwei Meter fehlen noch bis zur Weltrekord-Marke.

Sehr beständig zeigen sich die beiden Speerwerfer aus Leverkusen, Herings und Schenk. Unsere bisherige Schwäche in den Wurf- und Stoßübungen dürfte damit allmählich behoben werden. 1936 war es unsere eigentliche Stärke; die 5 Goldmedaillen der Leichtathletik wurden damals samt und sonders in den Wurf- und Stoßübungen errungen.

Mit dem Ergebnis der diesjährigen Länderkämpfe können die Leichtathleten zufrieden sein. Gegen England, Tschechoslowakei und Ungarn gab es klare Siege, gegen USA die erwartete klare Niederlage. Die entscheidenden Prüfungen in Europa gegen die Russen und Polen blieben allerdings der Mannschaft erspart. A. M.