Die Abschlüsse der deutschen Industrie-Unternehmen haben wieder für 1960 höhere Ausschüttungen gebracht. Die Dividendenanhebungen für das Jahr 1958 wurden meist aus den Ersparnissen finanziert, die der ermäßigte Körperschaftssteuersatz für ausgeschüttete Gewinne gebracht hat. Auch die Dividendenerhöhungen des Jahres 1959 sind noch wesentlich von dieser Steuervergünstigung getragen worden. Dagegen können die Dividendensteigerungen für 1960 als Ausdruck einer echten Ertragsbesserung angesehen werden. Der Sondersatz für die ausgeschütteten Gewinne hat aber insofern noch einen starken Anreiz ausgeübt, als die Dividendenanhebungen großzügiger als in den Vorjahren ausgefallen sind. Das Schwergewicht der Dividendenanhebungen liegt bei 2 vH bis 4 vH. Wir finden aber zahlreiche größere Sprünge und die Spitzensteigerung erreicht nicht weniger als 53 vH des Aktienkapitals. Diese kräftigen Anhebungen der Ausschüttungssätze werden aber im wesentlichen von Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne getragen, welche die Dividende ohne steuerliche Schmälerung einnehmen können. Zum erheblichen Teil werden diese Beträge aber auch dann in Form von Kapitalerhöhungen den Gesellschaften wieder belassen.

Bei einer großen Zahl von Gesellschaften ist der Dividendenvergleich durch die Kapitalerhöhungen aus Gesellschaftsmitteln erschwert, weil der Satz für 1960 auf ein erhöhtes Kapital ausgeschüttet wird. Von 98 Gesellschaften mit Kapitalerhöhungen aus Gesellschaftsmitteln hielten 33 Gesellschaften den vorjährigen Satz aufrecht, was jedoch für die Aktionäre Dividendensteigerungen bis auf das Eineinhalbfache bedeutete. Weitere 49 Gesellschaften haben den Dividendensatz zwar nominell gesenkt, aber bei 42 Gesellschaften ergeben sich trotzdem auf das alte Kapital bezogen höhere Sätze, wobei die Steigerungen zum überwiegenden Teil sehr beachtlich sind. Lediglich sieben Gesellschaften haben ihren Dividendensatz so stark herabgesetzt, daß nur etwa die Vorjahrsdividende für die Aktionäre abfällt.

Darüber hinaus haben sechzehn Gesellschaften einen meistens um 1 vH bis 2 vH höheren Satz auf das berichtigte Kapital ausgeschüttet.

Bei 886 Gesellschaften sind die Ausschüttungen vergleichbar. Von diesen blieben 87 Gesellschaften dividendenlos. Allerdings ist das Ausmaß der Dividendenlosigkeit innerhalb der westdeutschen Industrie erheblich größer, weil erfahrungsgemäß die dividendenlosen Gesellschaften ihre Abschlüsse verhältnismäßig spät veröffentlichen, so daß die Gesamtzahl der dividendenlosen Gesellschaften nach Vorliegen aller Abschlüsse wesentlich höher liegen dürfte. Sie wird mehr als doppelt so hoch sein. Dabei bedeutet Dividendenlosigkeit keineswegs Ertragslosigkeit, denn eine nicht kleine Zahl von Gesellschaften, insbesondere Familienunternehmen, schüttet grundsätzlich keine Dividende aus, sondern steckt alle Gewinne in die Betriebe. Auch die 58 Gesellschaften mit Organschaftsabrechnung dürften überwiegend ertragbringend sein, wenn dies auch bisher aus den Erfolgsrechnungen nicht abzulesen war. Nach der neuen Rechnungslegung wird man einen besseren Einblick erhalten, da die Zahlungen auf Grund von Organschaftsverträgen ausgewiesen werden müssen. Weitere 270 Gesellschaften haben ihren vorjährigen Dividendensatz aufrechterhalten.

Wenn nur 26 Gesellschaften ihre Dividendenzahlung wieder aufgenommen haben, so liegt dies daran, daß die Zahl der dividendenlosen Gesellschaften nur noch sehr klein ist. Soweit die Divdendenlosigkeit durch die tatsächlichen Ertragsverhältnisse bedingt ist, wird die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung im allgemeinen immer sehr schwierig sein, weil die Gesellschaften in Wirtschaftszweigen mit allgemein ungünstiger Lage tätig sind oder weil die betrieblichen Voraussetzungen der jeweiligen Unternehmen besondere Schwierigkeiten aufzuweisen haben. Bei einem Teil der Gesellschaften war die Dividendenzahlung nur für ein Jahr ausgefallen. Dagegen haben 348 Gesllschaften ihren Dividendensatz gegenüber dem Vorjahre erhöht. Hinzu kommen noch die erwähnten 91 Verbesserungen durch die Kapitalerhöhungen aus Gesellschaftsmitteln. Außerdem dürfte mindestens die Hälfte der Gesellschaften, über deren Gewinnverwendung nichts bekannt geworden ist, tatsächlich eine Dividendensteigerung aufzuweisen haben. Fassen wir diese drei Gruppen zusammen, dann ergibt sich, daß mehr als die Hälfte aller Gesellschaften ohne Organschaftsabrechnung ihre Ausschüttungen gegenüber dem Vorjahr verbessert hat.

Demgegenüber halten sich die Verschlechterungen in sehr engen Grenzen, denn es sind nur 32 Dividendenermäßigungen und 14 Dividendeneinstellungen festzustellen. Die Zahl der Dividendeneinstellungen ist also wieder geringer als die Zahl der Wiederaufnahmen, so daß die Zahl der dividendenzahlenden Gesellschaften – wenn auch nur sehr geringfügig – zugenommen hat. Die Dividendenverschlechterungen sind zum überwiegenden Teile branchenbedingt. Wir finden hier hauptsächlich Gesellschaften von Industriezweigen mit besonders schwierigen Verhältnissen. An der Spitze steht die Textil-lndustrie, die allerdings auch andererseits in besonderem Umfange an den Dividendenbesserungen beteiligt ist, woraus hervorgeht, wie unterschiedlich die Lage in diesem Industriezweige ist. Aus der Ernährungswirtschaft ist hier insbesondere die Mühlen-Industrie vertreten. In der Zucker-Industrie wurden einige Spitzensätze zurückgenommen. Auch in der Leder-Industrie kann man von branchenbedingten Verschlechterungen sprechen. Das gleiche gilt für die Teile der NE-Metall-Industrie, wobei insbesondere die Herd-Industrie und die Emaille-Industrie hervorzuheben sind.

Die Dividendenerhöhungen wurden überwiegend von denjenigen Teilen der westdeutschen Industrie getragen, die in der Ertragsgestaltung etwas zurückgeblieben waren, oder – wofür die Textil-lndustrie typisch ist – während der Konjunkturabflachung die Dividendensätze zurücknehmen mußten. Im Rahmen der allgemeinen Besserung der Wirtschaftslage konnten diese Industriezweige nunmehr aufholen, was auch in ihren Dividendensätzen zum Ausdruck kommt. G. P.