Von Wolfgang Ebert

Immer wieder – oder mindestens schon zweimal – wurde ich gefragt, wie man es anfängt, ein prominenter Buchkritiker zu werden, dessen Namen allein schon Autoren und Verleger erzittern, die Leser ehrfürchtig erschauern läßt. Wie in manchen anderen Berufen gilt es auch hier, die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen, geht es darum, allmählich oder mit einem Schlage entdeckt zu werden.

Dabei hat man es als Kritiker insofern etwas schwierig, weil einem ja immer die Autoren der zu besprechenden Bücher irgendwie im Wege stehen. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß sich die Leser nicht einmal auf den Nachnamen des Autors, geschweige denn auf sein Werk besinnen können, der Name des Kritikers aber in aller Munde ist, erst dann kann man befreit aufatmen.

Dorthin ist der Weg allerdings steil und dornig, und darum sollen einige taktische Ratschläge ihn ebnen helfen:

Die Jung-auf-Alt-Masche:

Sich als ganz junger Kritiker stockkonservativ geben. Neue Strömungen nur an den strengsten, höchsten Maßstäben der Vergangenheit messen. Sich häufig auf Fontane und Stifter berufen. Oft auf den Wert der Tradition gerade für unsere Zeit hinweisen. Auf humanistische Bildung durch die Verwendung griechischer Zitate diskret aufmerksam machen.

Die Alt-auf-Jung-Masche: