Von André Kostolany

Es war ein Samstag nachmittag. Die herrliche Baritonstimme schwieg für immer. In tiefem Ernst hatten sich die Pariser zum Staatsbegräbnis für Aristide Briand auf den Champs-Elysees eingefunden. Nach der Zeremonie zerstreute sich die Menge. Ich wußte nicht recht, was ich anfangen sollte, und ging, um die Zeit totzuschlagen, zum Plaudern in das Büro eines Freundes, eines amerikanischen Börsenmaklers, auf den Champs-Elysees; ich warf einen Blick auf die letzten Börsenkurse.

Damals gab es an Samstagen nur eine sehr kurze Nachmittags-Börse – zwei Stunden. Bei einem sehr ruhigen Markt hatte sich jedoch eine merkwürdige Sache ereignet. Ein einziger Wert war Gegenstand riesiger Transaktionen gewesen, Hunderttausende von Kreuger-og-Toll-Aktien des großen schwedischen Streichholztrusts wurden gehandelt – während der ganzen Börsenzeit zu einem und demselben Kurs, dem gleichen wie am Vorabend. Ich war um so neugieriger, als ich mit den Kreuger-Aktien stark auf Baisse spekuliert hatte.

Die Idee von Ivar Kreuger, dem schwedischen Streichholzkönig, war ebenso einfach wie gescheit. Die mittel- und osteuropäischen Länder brauchten Geld. Kreuger war bereit, es ihnen zu besorgen. Als Entgelt ließ er sich das Streichholzmonopol einräumen, das lukrativ genug war, um einen interessanten Gewinn zu sichern. Nur besaß Kreuger leider nicht die großen Summen, die zum Beispiel Deutschland brauchte.

Er emittierte Anleihen. Für diese Anleihen diente das ihm eingeräumte Monopol als Sicherheit. Der größere Teil wurde in den Vereinigten Staaten gezeichnet – oder hätte gezeichnet werden sollen. Er wollte nicht an den Differenzen aus dem Zinssatz, sondern nur an den Gewinnen aus der Streichholzfabrikation verdienen. Die Methode war nicht neu: die Hergabe von Krediten im Austausch gegen ein Monopol war im 16. Jahrhundert die große Spezialität der Fugger gewesen.

Die Fugger hatten in Schwierigkeiten geratenen Fürsten Geld geliehen und dafür das Privileg eines Handels oder der Ausbeutung von Bodenschätzen erhalten. Der König von Portugal hatte ihnen eine Zeitlang das Monopol des Pfefferhandels eingeräumt, und der spanische König überließ ihnen die Ausbeutung seiner Silber- und Kupferminen.

Kreuger hatte dieses System in moderner Zeit aufgegriffen, und er bediente sich der Effekten, der Inhaber-Obligationen, um amerikanisches Kapital nach Mittel- und Osteuropa zu schleusen.