Apuliens Einladung gilt bis Dezember – Sandstrand und paradiesische Wälder

Von Hedda Westenberger

Foggia, im Oktober

Zum Modestrand von übermorgen verspricht der vor kurzem noch ganz unbekannte Gargäno zu werden: jener „Sporn“ am italienischen Stiefel nordöstlich von Foggia in Apulien. Über die in tadellosem Zustand von Venedig bis Brindisi verlaufende Staatsstraße 16, die „Adriatica“ (900 Kilometer lang), ist er ziemlich rasch und bequem zu erreichen; etwas weniger schnell, aber ebenso bequem auch über die „Strada del Sole“ mit Querverbindung ab Neapel.

Nicht zu Unrecht bezeichnen die Pugliesen, die Bewohner der Landschaft Apulien (italienisch: Publia), den halbinselartig ins Adriatische Meer vorstoßenden Gargäno als ein piccolo Italia. Denn auf seiner kleinen Fläche von 65 Kilometern Länge und 45 Kilometern Breite bietet er alles, was sich eines Reisenden Herz von la bella Italia an südlichem Charme nur wünschen kann: Frachtvoller Sandstrand bei Rodi über eine Strecke von zehn Kilometern wechselt mit felsigen Küstenpartien ähnlich wie an der Riviera. Ein leicht ansteigender breiter Streifen Pinienwald macht diesen Strand besonders sympathisch, und die ihm vorgelagerten kleinen Inselchen sind hübsche Ausflugsziele.

Alle Bäume Europas

Zum Landinnern hin wird die Pineta von einem Mittelgebirge abgelöst, das bis zu Höhen von 1100 Metern klettert. Seine Attraktion ist die Foresa Umbra, ein Waldgebiet, wie es ähnlich in Italien kein zweitesmal und im übrigen Europa nur selten (vielleicht nur noch in Portugal) zu finden sein dürfte: hier wachsen buchstäblich alle Baumarten unseres Kontinents nebeneinander. Man wandert und fährt durch Dome von riesigen Buchen, Eichen, Eukalyptus, Tannen, Ahorn und anderen Bäumen. Jenseits der Foresta Umbra überrascht wieder eine ganz andere Landschaft: Archaisch anmutende Täler mit Wein- und Olivenkulturen, Weideland, Karstgebiet. Auch zwei Seen sind vorhanden: der größere, Lago Varano, wird von Unterwassersportlern ebenso begeistert gepriesen wie die Meeresbuchten und die Gewässer um die Inselchen. Daß es längs der ganzen Küste an wildromantischen Fischernestern nicht fehlt, versteht sich beinahe von selbst, ebenso, daß auf diesem geschichtsträchtigen Boden auch der Kunsthistoriker auf Entdeckung gehen kann: unter anderen liegt hier das berühmte Monte Sant’Angelo mit seinen romanisch-barocken Kirchen, dem alten Normannenkastell und der Wallfahrtskirche des Heiligen Michael, älteste Pilgerstätte Europas.