Die mitteldeutsche Provinz war nach dem Kriege unerreichbar geworden, und damit gab es wenige Möglichkeiten, „in der sogenannten Provinz erste praktische (Theater-)Erfahrung zu sammeln“. Friedrich Schütter glaubte, „daß der... Nachwuchs nicht in Kaffeehäusern, sondern auf der Bühne entdeckt werden sollte“, und gründete 1951 in Hamburg das „Junge Theater“. Erfrischend unfeierlich feierte man kürzlich das zehnjährige Bestehen.

Diese Bühne wurde zum Sprungbrett für Darsteller, Regisseure und Bühnenbildner. Unter vielen anderen machten Karin Remsing, Dietrich Haugk, Walter Kuppel, Charles Brauer in diesem Theater erfolgreich Zwischenstation. Viele Ur- und Erstaufführungen gab es. Entdeckungen wie Gerd Oehlschlegels „Romeo und Julia in Berlin“ waren darunter. Gastspiele mit der Zone wurden ausgetauscht.

Dietrich Kittner ist der junge Leiter des Ensembles „Die Leid-Artikler – Kabarett ohne Netz“. Kittner ist von einem Studentenkabarett übriggeblieben, er suchte sich neue Leute und machte in Hannover ein Standquartier auf.

In seinem Einladungsbrief schreibt er: „Wir glauben, daß der Mehrzahl der deutschen Kabaretts mit wachsendem Erfolg viel von ihrer Schärfe verlorengegangen ist, und wir bemühen uns, hier einzuspringen.“ Den Beweis, des „Einspringen“ bleibt Rittner freilich noch schuldig. Im ersten Programm gab es lediglich ein Kaleidoskop der bundesdeutschen Kleinkunst- bühnen. Mal Modifikation, mal plumpe Kopie. Die Fernsehnummer „Bilanz durch die Röhre“ ist beispielsweise ein verschmiertes Abziehbild von Dieter Hildebrandts Einmannconférence in der Münchner „Lach- und Schießgesellschaft“. Diese Nummer ist allerdings so gut, daß Kittner sie nicht demolieren konnte.

Wenn ein Gast drei oder vier Mark Eintritt zahlen muß, dann darf er schon dafür mehr als nur geschmäcklerische Geistreicheren erwarten. Lediglich ein Programmheft mit Pfiff scheint mir zu wenig.

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Vielleicht wird es erfreulicher in Hannover zugehen, wenn das Landestheater im Frühjahr 1962 „Spirale in sieben Sätzen“, ballet blanc von Peter Ronnefeld, herausbringt. Vorerst steht für Ronnefeld allerdings die Uraufführung seiner ersten abendfüllenden Oper auf dem Programm. Der 26jährige Komponist dirigiert am 21. Oktober „Die Ameise“ (Libretto nach seiner Idee von dem jungen Schriftsteller Richard Bletschacher, Jahrgang 36) in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Stina Britta Melander und Carlos, Alexander singen in der Inszenierung Wolfgang Liebeneiners.