Am 1. Januar 1962 wird die Henschel-Werke GmbH, Kassel, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Damit beginnt dann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Werkes, das mit der Gründerfamilie nur noch den Namen gemeinsam hat. Die Sanierung des vor einigen Jahren insolvent gewordenen Unternehmens ist geglückt. Ein Verdienst von Dr. Fritz-Aurel Goergen, der nach seinem unter recht dramatischen Umständen erfolgten Ausscheiden bei Phoenix-Rheinrohr hier den Sprung vom Manager zum Unternehmer getan hat.

Offen war bislang immer noch die Bereinigung der Besitzverhältnisse. Die vor drei Jahren eingesprungenen Banken haben sich von vornherein nur als Gesellschafter „auf Zeit“ betrachtet. Ihnen war klar, daß sie Goergen zunächst Gelegenheit geben mußten, die Ertragskraft der Henschel-Werke soweit zu steigern, daß er mit Erfolg neue Gesellschafter einladen konnte. Angesichts der nun einmal gegebenen Größenordnungen konnte er natürlich nicht daran denken, eines Tages Alleingesellschafter zu werden. Er mußte deshalb Partner suchen – und er hat sie gefunden.

Ein Drittel des bisherigen Stammkapitals der Henschel-Werke von 45 Mill. DM – also 15 Mill. DM – wird von einer amerikanischen Gruppe, die aus Finanzinstituten, Investment-Firmen und großen Funds besteht, übernommen. Dem Konsortium gehören u. a. an die Morgan Guaranty Trust Co. (New York), der Yale University Fund, der General Tire Pension Fund, der Transatlantic Mutual Fund, der World Wide Fund, die Firma Burnham & Comp, sowie Joseph R. Nash. Die amerikanische Gruppe übernimmt die 15 Mill. DM alten Anteile der Henschel-Werke GmbH zum Kurs von 190 vH, sodann wird das Stammkapital um 8 Mill. DM auf 53 Mill. DM erhöht, wobei die neuen Anteile zu 110 vH voll von der amerikanischen Gruppe übernommen werden. Damit verfügt die amerikanische Gruppe über 43,4 vH des neuen Stammkapitals, Dr. Goergen behält die Mehrheit von 51 vH, die übrigen 5,6 vH des Gesamtkapitals sind zur Übernahme durch leitende Angestellte und Mitarbeiter der Henschel-Werke vorgesehen.

Nach Umwandlung der Henschel-Werke GmbH in eine Aktiengesellschaft ist die Einführung der Aktien an den deutschen und auch an amerikanischen Börsen beabsichtigt. Bisher lagen insgesamt 45 vH des Stammkapitals der Henschel-Werke GmbH bei den Hausbanken (je 15 vH bei der Deutsche Bank AG, der Commerzbank AG und der Frankfurter Bank AG). Die bei Dr. Goergen bleibende Kapitalmehrheit und die bei leitenden Persönlichkeiten der Henschel-Werke liegenden Kapitalanteile gewährleisten die Kontinuität in der Leitung der Gesellschaft, zumal sich Dr. Goergen persönlich verpflichtet hat, mindestens für die nächsten 5 Jahre in den leitenden Gremien, sei es als Vorstandsvorsitzender, sei es als Aufsichtsratsvorsitzender, dem Unternehmen zur Verfügung zu stehen.

Bevor es Henschel-Aktien an den deutschen Börsen geben wird, dürfte noch eine längere Zeit vergehen. Sie werden auf alle Fälle den deutschen Kapitalmarkt um ein bekanntes Papier bereichern.

–ndt