DIE ZEIT

Um Hammarskjölds Nachfolge

Seit einem Monat läuft das zerbrechlich konstruierte Räderwerk im UN-Gebäude am East River gleichsam ohne die Aufsicht eines leitenden Ingenieurs; seit dem 18.

Kein Ersatz für de Gaulle

Da hat also General de Gaulle die Teilnahme eines französischen Vertreters an der "Expertenkonferenz" über das Berlin-Problem, die in diesen Tagen in London hätte stattfinden sollen, kurzerhand abgesagt.

Schwerer Beginn in Bonn

Verstimmungen zwischen FDP und CDU – Verhältnis Adenauer-Erhard bleibt gespannt

Zum vierten Mal: Auftakt im Bundestag

Die ersten dunklen Herbstwolken dieses Jahres und wahrscheinlich auch der Bonner Politik jagten mit Regenschauern und dramatisch wechselnden Lichteffekten über den verschachtelten Bau des Bundeshauses, während im Plenarsaal die vierte Sitzungsperiode des Deutschen Bundestages mit wohlgesetzten Reden eröffnet wurde.

Zeitspiegel

Reichlich spät, aber dann immerhin von sachlichen Erwägungen geleitet, hat der Rundfunkrat der Deutschen Welle den Intendanten gewählt: Dr.

Protest gegen eine Publikation

Jetzt wird sich der Verleger Heinrich Seewald die Hände reiben und denken: Nun habe ich sie alle überlistet, die mich mit ihren kleinlichen Bedenken daran hindern wollten, die „Kaltenbrunner-Berichte über das Attentat vom 20.

Zerrspiegel historischer Wahrheit

Man kann nur lebhaft bedauern, daß der Verleger, der selbst gelernter Historiker ist, sich über die zuvor an ihn herangetragenen Bedenken wie über seine eigene Zusage, die er einem Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte noch am 7.

Wetterleuchten am Kongo

Moise Tschombe, der Präsident der Kongo-Provinz Katanga, hat im Kampf gegen die Vereinten Nationen eine Schlacht gewonnen. Nach wochenlangen Verhandlungen mit dem UN-Beauftragten Mahmoud Khiari wurde jetzt in Elisabethville ein Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnet.

Petrus contra Chruschtschow

Es könnte sein, daß es den Parteifunktionären von Kasachstan wieder ans Leder geht. Schon im vorigen Jahr waren sie die Sündenböcke, die für die Mißernte von 1959 büßen mußten.

Erhard – ein unheimlicher Gast

Paris kommt aus dem Festrausch nicht mehr heraus. Ununterbrochen werden am Grabe des Unbekannten Soldaten Kränze niedergelegt, exotische Diplomaten in die Oper geführt, Insassen städtischer Kinderheime von zugereisten Königinnen und Präsidentengattinnen abgeküßt, ununterbrochen wird im Elysée die „corbeille de foie gras Lucullus“ aufgetragen, während der Champagner strömt und die Garde Républicaine den Triumphmarsch aus „Aida“ in den Saal schmettert.

Menderes’ postumer Sieg

Die ersten türkischen Wahlen nach vier Jahren gewann kein Lebender, sondern ein Toter – nicht der Greis Ismet Inönü, der sich den Lehren Kemal Atatürks verschrieben hat, sondern der vor einem Monat hingerichtete Adrian Menderes.

Nur der Schweinemeister war echt

Bei der Oberfinanzdirektion in Frankfurt am Main ist eine Regierungsrat-Planstelle freigeworden. Der bisherige Inhaber muß achtzehn Monate im Gefängnis absitzen.

Sklaventransport?

Bis hierher und nicht weiter“, sagte der Herr barsch und zeichnet eine unsichtbare Linie in den Gang vor dem D-Zug-Abteil. Der Herr war von der Arbeitsverwaltung und brachte Italiener von München nach Hannover.

Berlin: Bei den Amis: Berühren erlaubt

Die junge, sehr hübsche Dame drückte auf eine Hupe amerikanischer Bauart. Ein lauter, tiefer Ton ließ die Besucher in der Halle der Vereinigten Staaten zusammenfahren: Doch schon erscholl die Stimme des Erklärers, der die Hupe bereits anpries – besonders bei Nebel sei sie sehr nützlich.

Sie fahren schwere Wagen ...

Beginnen wir gleich mit den vielzitierten Autos: Von zwanzig immerhin „arrivierten“ Schriftstellern haben dreizehn in der Tat ein eigenes Auto, das allerdings nur in sechs Fällen den Hubraum eines Volkswagens überschreitet (ein Ford, ein Fiat, ein „Sportwagen“, drei Citroëns); zwei verdanken es eher ihrem Zivilberuf als ihrer Schriftstellerei, und einer hat es „geschenkt bekommen“ (da soll mal jemand sagen, es gebe keine Liebe zur Literatur!).

Zeitragen: Was heißt „die deutsche Literatur“?

Es wird uns zuweilen in dieser Zeitung, und es wird mir persönlich, der Vorwurf gemacht (den ich mit Fassung zu tragen gedenke), daß wir mit der „Gruppe 47“, mit der „intellektuellen Linken“, mit den „Avantgardisten“ mehr als unbedingt notwendig sympathisierten.

Die Dichter, die flüchtigen

Die Lebenden und die Toten, die Generationen hin und her – erst von weitem sieht man, wie es ineinandergreift. Wir fahren durch die Städte, sehen die Fenster aufleuchten, die Bars erstrahlen, die Paare schlängeln sich im Tanz, und in einem der Häuser wohnt nach hinten einer der Flüchtigen und schlägt die Welt wie einen Mantel um sein Herz, um es zu stillen.

Plädoyer für das Positive in der Literatur

Einer der Höhepunkte der Buchmesse für literarisch besonders Interessierte liegt gleich am Anfang: die Eröffnungsrede. Manchem sind solche Eröffnungsreden von den Buchmessen vergangener fahre deutlicher als alles andere in Erinnerung geblieben: Rudolf Hagelstange, Max Frisch, Werner Weber.

Zeitmosaik

Die originalsten Autoren der neuesten Zeit sind es nicht deswegen, weil sie etwas Neues hervorbringen, sondern allein, weil sie fähig sind, dergleichen Dinge zu sagen, als wenn sie vorher niemals gesagt worden wären.

Kleiner Kunstkalender

Eine Ausstellung von Bildern des Schweizers Louis Soutter (1871 bis 1942) in Lausanne 1937 hatte keinen Erfolg, obwohl der große Architekt Le Corbusier auf ihn aufmerksam gemacht hatte.

Mein Bild

Wenn man sich für ein ganz bestimmtes Bild zu entscheiden hat, muß man aus der Fülle des Geschaffenen die eine Manifestation herausgreifen, die für die eigene künstlerische Entwicklung entscheidend geworden ist.

Auf Durrells Rücken

Immer wieder – oder mindestens schon zweimal – wurde ich gefragt, wie man es anfängt, ein prominenter Buchkritiker zu werden, dessen Namen allein schon Autoren und Verleger erzittern, die Leser ehrfürchtig erschauern läßt.

Ein vorbildliches Parlament

Im Parlament eines Landes stand im Jahre 1911 die Gehaltserhöhung des Generalstaatsanwalts auf der Tagesordnung. Einige Parteien waren dafür, einige dagegen, wie es ja nun einmal so ist, und dann sagte der Präsident: „Wir kommen zur Abstimmung.

Schriftsteller antworten...

1. Ja, viele, lebende und tote. Sie haben einander aber immer so schnell verdrängt, daß es sich kaum lohnt, ihre Namen jetzt noch zu nennen.

Carl Zuckmayer im Burgtheater

Seit Jahren war davon gesprochen worden, daß Zuckmayers neues Stück „Der trunkene Herkules“ heißen und in Wien am Burgtheater herauskommen solle.

Dreimal „jung“ und doch...

Die mitteldeutsche Provinz war nach dem Kriege unerreichbar geworden, und damit gab es wenige Möglichkeiten, „in der sogenannten Provinz erste praktische (Theater-)Erfahrung zu sammeln“.

Werbung zunächst für Janacek

Die „Bayerische Akademie der Schönen Künste veranstaltet in dieser Saison eine Reihe von Vorlesungen, in denen Komponisten des „Musica viva“-Programms über ihre Musikauffassung, ihre künstlerische Zielsetzung und ihre Werke berichten werden.

Hüben und drüben: Musikkrieg

In einem Aufsatz unter dem Titel „Kalter Krieg mit Musik“ bedauert die „Leipziger Volkszeitung“ vom 27. September, daß es in der DDR „Ochsenkopfideologen“ gebe, die folgende Ansicht vertreten: „Ob Beethoven vom Deutschen Demokratischen Rundfunk gespielt wird oder vom westzonalen NDR, ob der Schlager aus Leipzig oder aus München gesendet – hier gäbe es keine Unterschiede: Musik sei gleich Musik.

Der Humor der Angst

Zu Karl Valentin (er legte Wert darauf, das „V“ müsse auch wie ein „V“ ausgesprochen werden, also wie „F“) habe ich nur staunende Verehrung gehabt; zu Liesl Karlstadt (die eigentlich Elisabeth Wellano hieß) bin ich nach Valentins Tod in Beziehung gekommen.

Hunderttausend deutsche Wörter

Nutz und Frommen von Synonymenwörterbüchern begreift man, je mehr man mit ihnen umgeht; mit jeder Überraschung, die sie bieten, machen sie den Benutzer bescheidener und sich selbst unentbehrlicher.

Ein unbekanntes Meisterwerk

In der merkwürdig unvollständigen Bibliographie am Schlüsse des Bändchens (die ro-ro-ro-Klassiker sind doch sonst so zuverlässig) findet sich der Vermerk „Der verzauberte Wanderer, Hamburg 1957“, woraus man schließen darf, daß dieses Werkchen Nikolaj Leskovs (wie er im vorliegenden Fall buchstabiert wird; die Schreibweise schwankt bei uns), das ebenso klein wie großartig ist, schon einmal, wer weiß wo und wie, erschienen ist; aber „man“ kennt es einfach nicht, es ist, wie es mit nicht wenigen, auch großartigen Werken so geschehen kann, bisher unter den Tisch gefallen, und meines Wissens hat noch kein Hahn darum gekräht.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Kapitel über „Geschichte des deutschen Buchhandels“ (von Hans Widmann), „Der Verlagsbuchhandel“ (von Helmut Hiller), „Der vertreibende Buchhandel“ (von Kurt Selling, Erich Carlsohn, Max Repschläger, Friedrich Elsner, Richard Schmidt), „Die deutschen Buchgemeinschaften“ (von Wolfgang Strauß), „Der Zwischenbuchhandel“ (von Kurt Lingenbrink), „Der Buchhandel und die wissenschaftlichen Bibliotheken“ (von Fritz Redenbacher), „Das öffentliche Büchereiwesen“ (von Hans Harald Breddin), „Buchhandel und Öffentlichkeit“ (von Theo W.

Heiterkeit der Schiffbrüche

Zu der Zeit, als man die „Modernen“ noch ungestraft lächerlich machen konnte, wurde ein Gedicht von Ungaretti als Beispiel zitiert.

Fernsehen: Kleine Form - großer Wert

Dem aus Kinozeiten überlieferten Brauch getreu, die Spielfilme und nicht die Wochenschauen zu besprechen, ist jener Teil des Fernsehprogramms bisher fast unter Ausschluß der Kritik vor sich gegangen, der von der sogenannten aktuellen, der politischen oder der feature-Abteilung betreut wird: die Reportage, der Bericht, die Chronik, die Dokumentation.

Film

„Sommer der Verfluchten“ (Großbritannien; Verleih: Rank): Graham Greene gab uns den Schnapspriester, der in Zeiten mexikanischer Kirchenverfolgung dafür einstand, daß die göttliche Kraft der Kirche unabhängig von der Stärke oder Schwäche der Priester wirkt, die ihre Gnade vermitteln.

15. Oktober, das Hörspiel:: Bruderzwist in Habsburg

Im Rahmen eines vielseitigen Programmaustauschs zwischen den Alpenländern Bayern, Österreich und Schweiz, den Walter von Cube ins Leben gerufen hat, übernahm der Bayerische vom österreichischen Rundfunk als erste Hörspielsendung eine Funkbearbeitung von Grillparzers Trauerspiel „Ein Bruderzwist in Habsburg“.

Hamlet-Fernsehspiel von Shakespeare?

Fernseh-Dramaturgie und Fernseh-Regie ist es in vereinten Anstrengungen gelungen, in einer Anzahl von Regeln festzulegen, wie das Geschehen auf der Bildscheibe beschaffen sein müsse, wenn es nicht photographiertes Theater und nicht formatreduzierter Film sein wolle.

Theater

Vor 150 Jahren ist Heinrich von Kleist gestorben. Also begehen die deutschen Bühnen ein „Kleist-Jahr“. „Ich weiß, was ich sage“, schreibt Friedrich Luft in der Welt, „wenn ich sage, daß Kleists ‚Amphitryon‘, solange ich im Parkett lebe, nie schöner, nie reiner, nie klüger, nie heiterer gespielt wurde als an diesem denkwürdigen, letzten Abend der elften Festwochen von Berlin.

Automation zwischen Furcht und Hoffnung

Drängend, ja dräuend schiebt sich das hochentwickelte Wissen unserer modernen Zeit ins Bewußtsein der breiten Massen. Symbole dieser „intellektuellen Inflation“ sind die Schlagwörter, die wir täglich in Zeitungen, Vorträgen und im fachlichen Gespräch vernehmen und auch selbst verwenden.

Zeitraffer

Die prozentuale Steigerung der Steuereinnahmen in der Bundesrepublik eilt der Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes immer weiter voraus.

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