Desiderio Monsu (zwischen 1600 und 1650);

Babylonischer Turm

Wenn man sich für ein ganz bestimmtes Bild zu entscheiden hat, muß man aus der Fülle des Geschaffenen die eine Manifestation herausgreifen, die für die eigene künstlerische Entwicklung entscheidend geworden ist. Dann dokumentierte sich in dieser Wahl nicht nur eine Affinität für das Wesensverwandte, man ist in der Lage, ein bildhaftes Erlebnis zu konkretisieren.

Dieses „mein Bild“ ist für mich der „Babylonische Turm“ jenes rätselhaften europäischen Malers, der zwischen 1600 und 1650 gelebt hat, Desiderio Monsu. In dessen Werk ist nicht nur der Surrealismus antizipiert, auch die esoterische Bildsprache hat hier bereits eine Gestaltung gefunden, an die das Schaffen unseres Jahrhunderts in den letzten 30 Jahren der Entwicklung geistig anknüpfen konnte.

Immer taucht in den Bildschöpfungen des Desiderio. Monsu die halb zerstörte Stadt mit ausgebrannten Fensterhöhlen auf, dieses Ruinenlabyrinth, von dem ein seltsam faszinierender Glanz ausgeht. So stellt man sich unwillkürlich die Städte vor, in denen Kafkas Romane spielen, und jedes Werk, das seinen Ursprung im Mythos hat, könnte in dieser Welt optisch beheimatet sein.

Deshalb sind auch Teo Otto und ich, als wir für das Jahr 1960 einen neuen „Don Giovanni“ für die Salzburger Festspiele zu konzipieren hatten, von dieser Grundvorstellung der Desiderio-Monsu-Städte ausgegangen.

OSCAR FRITZ SCHUH, geboren in München 1904. Studium der Philosophie und Kunstgeschichte, erste Regie-Aufgabe mit 19 Jahren–Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt“ an der Bayerischen Landesbühne. Als Opern- und Schauspielregisseur tätig gewesen in Oldenburg, Osnabrück, Darmstadt, Gera und Prag.1932 bis 1940 Oberspielleiter der Staatsoper in Hamburg, 1940 bis 1952 Oberspielleiter der Wiener Staatsoper. Gast-Inszenierungen: Mailänder Scala, Rom, Neapel, Festspiele Paris. Seit 1945 künstlerischer Beirat und ständiger Regisseur der Salzburger Festspiele, inszenierte dort neben Mozart-Opern fast alle wichtigen Uraufführungen. Ab 1953 bis zur Berufung nach Köln im Jahre 1959 Direktor des Theaters am Kurfürstendamm Berlin. Erstes bundesdeutsches Gastspiel mit dem Theater am Kurfürstendamm in London nach dem Kriege. Seit 1959 Generalintendant der Bühnen der Stadt Köln.