Da die Berliner Wirtschaft von dieser Klausel besonders betroffen wurde, stellte der Westberliner Senator für Verkehr, Theuner, den Antrag, sie zu streichen. Von den Regierungen anderer Bundesländer unterstützt, erreichte er die Aufhebung der Klausel.

Aber auch gegen den übrigen Inhalt der Verordnung erhob sich ein Sturm der Entrüstung:

Die deutsche Wirtschaft widersprach heftig, der Bundesverband der Deutschen Industrie protestierte, der Verband der Automobilindustrie sprach sich dagegen aus. Die westeuropäischen Nachbar-Staaten entschlossen sich sogar zu diplomatischen Schritten, weil sie befürchteten, daß ihre längeren Lastzüge in absehbarer Zeit nicht mehr in die Bundesrepublik fahren könnten.

Die Voraussage Seebohms, die von ihm vorgeschlagenen Maße zur Grundlage einer neuen europäischen Regelung zu machen, erfüllten sich nicht. Im Herbst 1959 geriet der Minister in immer härtere Bedrängnis: Die Automobilindustrie baute – bis auf wenige Ausnahmen – keinen neuen Wagen des von Seebohm verlangten Typs. Und das benachbarte Ausland wollte die Genfer Konvention von 1949/50 zur Verhandlungsgrundlage machen, die eine Länge von 18 Metern und 32 Tonnen Gesamtgewicht vorsieht.

Im Frühjahr 1960 wurde der Entwurf für ein internationales Übereinkommen der EWG-Staaten bekannt. Man sprach von einer Lastzuglänge von 18 Metern, einem Gesamtgewicht von 32 Tonnen und einer 10-Tonnen-Antriebsachse. Minister Seebohm stimmte nun zwar einem Gesamtgewicht von 32 Tonnen zu, wollte aber nur eine Gesamtlänge von 15,50 Metern gestatten. Demgegenüber vertrat die CDU/CSU die Ansicht, man solle wegen der Lastzuglänge ein weiteres Zugeständnis machen, um ein internationales Obereinkommen zu ermöglichen. Der „Zentimeterkrieg“ war ausgebrochen.

Seebohm legte 50 Zentimeter zu und erklärte sich mit 16 Meter Länge einverstanden. Für den Fall, daß das Bundeskabinett empfehlen sollte, ein Länge von 18 Metern anzuerkennen, bot er seinen Rücktritt an. Bei den internationalen Besprechungen über dieses Thema ging er nochmals einen kleinen Schritt weiter und bot eine Länge von 16,50 Meter an. Es kam jedoch zu keiner internationalen Einigung, sondern lediglich zu der Empfehlung, bis zum Jahre 1965 zu versuchen, eine endgültige europäische Regelung der Längen, Gewichte und sonstigen Maße zu finden. Die Möglichkeit einer sinnvollen Planung war damit verpaßt.

Am 7. Juli 1960 wurde endlich – mit einiger Verspätung – die neue Verordnung erlassen. Sie fixiert den letzten Kompromißvorschlag des Ministers: 32 Tonnen Gesamtgewicht, 10-Tonnen-Antriebsachse und eine Länge von 16,50 Metern. Für die damit unzulässigen Dreiachs-Anhänger gilt – nach einer weiteren Ergänzung – eine Auslauffrist bis zum 1. April 1962. Dann müssen sie, wenn es nach Minister Seebohm geht, auf den Schrotthaufen.