Lebhafte Hauptversammlung der Industriekreditbank

Nun ist es geschehen, was schon lange erwartet wurde: Der Amateur-Daueropponent auf den bundesdeutschen Hauptversammlungen, der Darmstädter Kohlenhändler Erich Nold, ist an die Luft gesetzt worden. Und zwar von dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Industriekreditbank AG, Düsseldorf, Fritz Berg – gleichzeitig Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie. Auf der Hauptversammlung breitete Nold seinen üblichen Klagekatalog aus: Zu hohe Vorstandsgehälter, zu niedrige Dividende, zu hohe Rücklagen und Kursmanipulationen zugunsten der „Großen“. Wer Nold schon häufiger auf Hauptversammlungen erlebt hat, der weiß, wie schwierig es ist, ihn zum Schweigen zu bringen, bevor seine Platte ablaufen konnte. Das strapaziert die Nerven der Beteiligten – bis auf jene, die es von Natur aus freudig zu begrüßen pflegen, „wenn es denen da oben einmal kräftig gegeben wird“.

Wer objektiv urteilt, wird zugeben müssen, daß in den Noldschen Angriffen meist ein Körnchen Wahrheit versteckt liegt. Dabei mag es ununtersucht bleiben, ob er dies selbst gefunden hat oder ob ihm Hintermänner bei der Sache helfen. Geradezu schrecklich ist die Art seines Vortrages, die immer wieder durchblicken läßt, wie wenig er doch im Grunde vom deutschen Aktienrecht und seinen Spielregeln versteht.

Die meisten Verwaltungen haben es aufgegeben, eine sachliche Diskussion mit Nold zu beginnen, weil sie sinnlos wäre. Nold mit seinem Michael Kohlhaas-Komplex ist kein Gesprächspartner. Man kommt am weitesten, wenn man versucht, ihn mit Humor zu ertragen. Ein Musterbeispiel dafür lieferte der Aufsichtsratsvorsitzende der Dresdner Bank AG, Carl Goetz, auf der diesjährigen Hauptversammlung des Instituts in Hamburg, als er bewußt darauf verzichtete, bei Nold auf einen groben Klotz auch einen groben Keil zu setzen.

Während der Industriekreditbank-HV kam es nun zu einem Wortwechsel, dessen Härte weniger in der Argumentation als vielmehr in den gebrauchten Ausdrücken lag. Präsident Berg machte schließlich von seinem Hausrecht Gebrauch und wies Nold aus dem Saal, allerdings nicht ohne vorher die Zustimmung der Versammlung eingeholt zu haben. So verständlich diese Maßnahme auch gewesen sein mag, hinterläßt sie doch einen schlechten Nachgeschmack. Überdies verhilft man Herrn Nold auf diese Weise zu einer unnötigen Publizität, die er ja gerade sucht und die er braucht, um weiterhin sein seltsames Spiel auf den deutschen Hauptversammlungen treiben zu können. Märtyrer Nold zu sein – das ist das, was er wünscht.

Zum sachlichen Teil der Hauptversammlung ist zu sagen, daß der weitere Geschäftsverlauf als befriedigend bezeichnet wurde. Schwierigkeiten bereitet die Kapitalbeschaffung. Man hofft offenbar, noch in diesem Jahr eine neue Anleihe auflegen zu können. Zur Dividendenfrage sagte Berg, daß es der Verwaltung im Hinblick auf die politische Situation sinnvoller erschienen sei, die Reserven zu stärken als die Dividende zu erhöhen. K. W.