–ler, Frankfurt/Main

Bei der Oberfinanzdirektion in Frankfurt am Main ist eine Regierungsrat-Planstelle freigeworden. Der bisherige Inhaber muß achtzehn Monate im Gefängnis absitzen. Es stellte sich nämlich heraus, daß der 58jährige Regierungsrat Karl Geisdorf für seine Behördenlaufbahn nicht die erforderlichen juristischen Examina, sondern lediglich die Qualifikation als Schweinemeister mitgebracht hatte.

Von diesem Mangel in der Ausbildung war jahrelang nichts bemerkt worden. Geisdorf kam im Sommer 1948 aus der Sowjetzone in die Bundesrepublik, bewarb sich mit gefälschten Papieren um einen Posten im hessischen Staatsdienst und hatte Erfolg. Seine Erfahrung als Schweinemeister reichten für eine Tätigkeit als juristischer Sachbearbeiter mit Entscheidungsbefugnis in Rückerstattungsangelegenheiten beim Amt für Vermögenskontrolle und Wiedergutmachung in Darmstadt aus. Mit sicherer Hand unterschrieb Spezialreferent Geisdorf die Ablehnungen zu Beschwerden, die ihm seine Sachbearbeiter als Entwürfe vorlegten. Sieben Jahre lang diente er so als Vertragsangestellter; 1958 avancierte er schließlich zum Beamten auf Lebenszeit.

Vielleicht wäre er das auch heute noch, wenn er nicht – unter dem Eindruck, seinen Aufgaben bei der Oberfinanzdirektion mit einem Gehalt von 1300,– DM nicht gewachsen zu sein – um seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand gebeten hätte. Als bei dieser Gelegenheit die Pensionsbezüge berechnet und die Personalakten hervorgeholt wurden, stießen die Prüfer auf orthographische Fehler in Geisdorfs„Ernennungsurkunde“. Die hatte er sich selbst ausgestellt, um zu beweisen, daß er Beamter und anspruchsberechtigt nach dem 131er Gesetz sei.

Die Richter, die ihn jetzt wegen fortgesetzten Betruges und Urkundenfälschung verurteilten, konnten ihre Verwunderung darüber nicht verbergen, wie leicht die Behörden auf Geisdorfs Manöver hereingefallen waren.