Beginnen wir gleich mit den vielzitierten Autos: Von zwanzig immerhin „arrivierten“ Schriftstellern haben dreizehn in der Tat ein eigenes Auto, das allerdings nur in sechs Fällen den Hubraum eines Volkswagens überschreitet (ein Ford, ein Fiat, ein „Sportwagen“, drei Citroëns); zwei verdanken es eher ihrem Zivilberuf als ihrer Schriftstellerei, und einer hat es „geschenkt bekommen“ (da soll mal jemand sagen, es gebe keine Liebe zur Literatur!).

Nun ist mir schon immer schwergefallen, eine moderne technische Gesellschaft ganz zu begreifen, die ihre Schriftsteller als Fußgänger sehen möchte. Da spuken irgendwo noch Spitzweg-Vorstellungen vom Dachstuben-Poeten, dem Armut und Bescheidenheit auf das liebenswerteste zu Gesicht stehen. Mit besserem Grunde ließe sich die ganz andere Auffassung vertreten, daß gerade für den Schriftsteller als Autofahrer zeitkritische Themen buchstäblich auf der Straße liegen.

Dennoch, sei es, daß sie sich dem ungeschriebenen Gesetz beugen, wonach ein Auto Gemüsehändlern besser tut als Autoren, sei es, daß ihnen aus anderen Gründen als Autobesitzer unwohl wäre, Schriftsteller wie Enzensberger, Graß, Kästner, Schmidt, Schnurre betonen mit einigem Nachdruck, daß sie kein Auto besitzen.

Dazu Wolfgang Koeppen: „Als Schriftsteller schämte ich mich zunächst des Autobesitzes. Wenn ich mit einem Kollegen verabredet war, versteckte ich den Wagen in einer Nebenstraße und mimte den Fußgänger, bis ich merkte, daß der Freund dasselbe tat. Auch hinderte mich das (zu spät angefangene) Autofahren am Denken. Die Topographie der Stadt verfremdete sich, die Perspektiven der Existenz verschoben sich ärgerlich. Ich verfluchte den Autokauf. Heute kann ich am Steuer grübeln, ohne den Verkehr zu gefährden. Ich genieße die Vagabondage sehr, beklage aber, isoliert in einem Glaskasten, die verlorengegangene oder stark eingeschränkte Lust, zu Fuß die Einsamkeit in der Menge zu genießen.“

Was immer ein Auto oder Nicht-Auto dem Schriftsteller heute bedeuten mag, hat wenig mit Wohlstand oder Nicht-Wohlstand zu tun. Ernst Schnabel meint sogar: „Es ist heutzutage kein Zeichen von Bescheidenheit mehr, kein Auto zu besitzen, es ist viel bescheidener, eins zu haben.“

Ein anderer, der nicht genannt sein will, kommt dem Wohlstandsauto schon näher, wenn er sagt: „Dieser ziemlich schwere Wagen ist mein Luxus. Meine Lieblingsgerichte sind billig. Was ich trinke, ist für mich kein Genuß, sondern Treibstoff zur Arbeit. Für Kleidung gebe ich nicht mehr Geld aus, als notwendig ist, um in einem zweitklassigen Hotel nicht allzu unliebsames Aufsehen zu erregen. Reisen mit der Bahn oder gar im Flugzeug langweilen mich. Solange ich mir’s leisten kann, will ich mir nichts anderes leisten als dieses Auto. Und wenn ich mir’s einmal nicht mehr leisten kann, will ich froh sein, daß ich es mir geleistet habe, als ich’s noch konnte.“ Aber dieser Mann ist offenbar gar nicht typisch.

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